TU Berlin: Meditieren mildert die Lust am Materiellen

Achtsamkeitstraining wurde bisher erfolgreich zur Senkung chronischer Stresslevel, zur Förderung individuellen Wohlbefindens und erhöhter Konzentrationsfähigkeit eingesetzt. Aber eignet es sich auch, um den nachhaltigen Konsum in der Gesellschaft zu befördern und vor allem die Diskrepanz zwischen Umweltbewusstsein und tatsächlichem Handeln, jene sogenannte Einstellungs-Verhaltens-Lücke, zu überwinden?
In dem inter- und transdisziplinären Projekt „BiNKA – Bildung für nachhaltigen Konsum durch Achtsamkeitstraining" haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Leitung von TU-Professor Dr. Ulf Schrader, Fachgebiet Arbeitslehre/Ökonomie und nachhaltiger Konsum, diese Frage erforscht. Auf der Abschlusskonferenz am 16. Februar 2018 präsentieren sie nun die Ergebnisse ihrer dreijährigen Arbeit.

Die Forschungen der TU Berlin haben gezeigt, dass Achtsamkeitstraining auf indirektem Wege nachhaltigen Konsum unterstützen kann, zum Beispiel durch die Stärkung von Einstellungen und Intentionen in Bezug auf nachhaltigen Konsum. Unmittelbare Effekte auf das Konsumverhalten fielen jedoch sehr gering aus. Darüber hinaus wurde deutlich, dass Meditieren die Prioritäten von Menschen verschieben kann und dann materielle Güter weniger wichtig werden, während das Wohlbefinden steigt. Dies könnte langfristig eine von Ressourcenverbrauch entkoppelte Bedürfnisbefriedigung unterstützen. Die Studien mit 207 Proband*innen zeigen darüber hinaus ein gesteigertes Bewusstsein eines Großteils der Teilnehmer*innen für die mit der Produktion moderner Konsumgüter einhergehenden Auswirkungen auf Lebewesen und Umwelt sowie die Folgen der eigenen Konsumhandlungen. Gleichzeitig wurde dokumentiert, dass sich eine ethische Grundhaltung verstärkt.

Das Projekt wurde im Rahmen der Sozial-ökologischen Forschung (SÖF) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm „Nachhaltiges Wirtschaften" mit insgesamt 835.000 Euro gefördert. Partner im Verbund sind die Leuphana Universität Lüneburg, das Europäische Zentrum für Achtsamkeit (EzfA) sowie das Institut für Achtsamkeit und Nachhaltigkeit (IFAN).