Urbanisierung nachhaltig gestalten – Innovationen machen Städte fit für die Zukunft

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat am 25. April sein neues Hauptgutachten „Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte“ der Bundesregierung vorgelegt. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, Thomas Rachel, parlamentarischer Staatssekretär aus dem Bundesforschungsministerium, sowie Tania Rödiger-Vorwerk (BMZ) nahmen das Gutachten entgegen.
Neun Personen stehen mit Urkunden für ein Gruppenbild zusammen. (Schug/VDI Technologiezentrum)
Die Bundesregierung nimmt das Urbanisierungsgutachten vom WBGU entgegen.
Foto: Schug/VDI Technologiezentrum

Das WBGU-Gutachten ist ein aktueller und wichtiger Beitrag zum Urbanisierungsdiskurs. Bis zum Jahr 2050 werden über 70 % der Weltbevölkerung in Städten leben. Schon heute sind es mehr als 50 %, und der Trend zur Urbanisierung ist vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern ungebrochen. Städte verbrauchen schon jetzt bis zu 80 % der weltweit erzeugten Energie und sind für bis zu 70 % des Treibhausgas-Ausstoßes der Menschheit verantwortlich. Folgerichtig konstatiert das High-Level Panel für die Post-2015-Agenda der Vereinten Nationen: „Es sind die Städte, wo der Kampf um eine nachhaltige Entwicklung gewonnen oder verloren wird.“
Der WBGU spricht sich in seinem Gutachten dafür aus, die Städte von morgen weltweit so zu gestalten, dass ihr Wachstum nicht zu einer Belastungsprobe für die Erde wird. Dafür sollen so genannte planetarische Leitplanken eingehalten werden. Außerdem gelte es, frühzeitig die Festlegung der Stadtentwicklung auf Politikpfade und Infrastrukturen zu vermeiden, die das Klima und die Erdressourcen übermäßig beanspruchen. Der WBGU zeigt darüber hinaus auf, dass nachhaltige Urbanisierung auch in Zukunft Impulse aus der Wissenschaft benötigt. Forschung und Innovationen geben Bürgerinnen  und Bürgern sowie Stadtverwaltungen geeignete Instrumente an die Hand, um Städte fit für die Zukunft zu machen – und zwar im Einklang mit den Zielen für eine nachhaltige Entwicklung.

Stadtentwicklungsprozesse müssen global in den Blick genommen werden. Als Industrieland sieht sich Deutschland in der Verantwortung, über die eigenen Grenzen hinaus in Kooperation mit Partnerländern in der nachhaltigen Stadtentwicklung einen maßgeblichen Beitrag zu leisten.

International kann das BMBF Erfahrungen aus dem Schwerpunkt „Forschung für die nachhaltige Entwicklung der Megastädte von morgen“ vorweisen. Im Fokus standen hierbei Energie und klimaeffiziente Strukturen in urbanen Wachstumszentren. Darauf aufbauend wurde die BMBF-Förderinitiative „Rapid Planning“ gestartet. Viele Planungsprozesse dauern zu lange. Die Verantwortlichen gerade in schnell wachsenden Städten sind oft vor ein Dilemma gestellt: Es fehlen verlässliche Planungsdaten, Ergebnisse werden schnell benötigt – die Bewohner brauchen heute Trinkwasser, nicht erst in zwei Jahren. Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten sind schnelle Lösungen nicht immer ideal. Um einen Beitrag zur Lösung dieses Dilemmas zu leisten, hat das BMBF mit „Rapid Planning“ in vier Pilotstädten – Da Nang in Vietnam, Kigali in Ruanda, Assuit in Ägypten und in Frankfurt/Main in Deutschland – Forschungsprojekte gestartet. Ziel ist es, von der Datenerhebung für die Planung schneller in die Umsetzung zu gehen.

Auf Bundesebene führt das BMBF den „Wettbewerb Zukunftsstadt“ durch, der speziell auf nationale Fragestellungen zugschnitten ist. Hierbei entwickeln derzeit rund fünfzig ausgewählte Städte, Gemeinden und Landkreise gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Wissenschaft, lokaler Politik, Wirtschaft und Verwaltung eine ganzheitliche und nachhaltige Vision 2030+ für ihre Kommune. Über drei Phasen hinweg sollen ab dem Jahr 2018 ausgewählte Visionen in Reallaboren umgesetzt und einem Praxistest unterzogen werden.

Weitere Informationen zum Gutachten befinden sich auf der Internetseite des WBGU www.wbgu.de/hauptgutachten/hg-2016-urbanisierung.

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) wurde 1992 im Vorfeld der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung („Erdgipfel von Rio“) von der Bundesregierung als unabhängiges wissenschaftliches Beratergremium eingerichtet. Der WBGU wird gemeinsam vom BMBF und BMUB betreut und finanziert.