„Verlust der Nacht“ – Bürgermessungen sind unverzichtbar

Wie sehr künstliches Licht den nächtlichen Himmel verschmutzt, möchten Forscher im Projekt „Verlust der Nacht“ herausfinden. Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung haben sie 2013 eine kostenlose Smartphone-App entwickelt, mit der jeder Interessierte selbst zum Lichtforscher werden kann.
Wie es funktioniert:

Mithilfe von Referenzsternen ermitteln Bürgerwissenschaftler die Himmelshelligkeit an jedem beliebigen Ort der Erde. Wer mitmacht, lernt dabei den Sternenhimmel kennen und bekommt ein Gefühl dafür, wie viele Sterne man an einem dunkleren Ort noch sehen könnte. Die Messungen werden direkt geprüft und der Nutzer erfährt, wie viele Sterne über ihm am Himmel stehen und wie gut seine Beobachtungen waren. Diese Bürgermessungen sind unverzichtbar für die Wissenschaft, denn so können die Forscher sehen, wie sich der nächtliche Himmel weltweit verändert. Satelliten messen nämlich nur das nach oben abgestrahlte Licht, nicht die Helligkeit, die am Boden von Menschen und anderen Lebewesen erlebt wird. Den hohen Blauanteil im Licht von LEDs können sie kaum wahrnehmen.

Wie es ankommt:

Seit April 2013 wurde die Android-Version der App über 50.000 Mal heruntergeladen, seit November 2014 ist die App auch für Apple-Geräte erhältlich und kann mittlerweile in insgesamt 15 Sprachen kostenlos heruntergeladen werden. Bisher sind 27.000 Messungen aus über einhundert verschiedenen Ländern eingegangen. Besonders aktiv ist man in Deutschland (ca. 35%) und den USA (ca. 15%), aber auch in Italien, Frankreich und Großbritannien. Rund zehn Prozent der Daten kommen aus Asien. Die von Bürgerwissenschaftlern erhobenen Messungen werden in einer Datenbank gespeichert, wissenschaftlich ausgewertet und auch anderen Forschern zur Verfügung gestellt. Bisher haben über 4000 Beobachtungen eine so gute Qualität, dass sie für die Forschung direkt nutzbar sind.

Wie es weitergeht:

Die Daten sollen aber nicht nur Forschern zur Verfügung stehen, sondern auch für die Menschen zugänglich sein, die sie generieren. So ist seit Anfang Dezember 2015 die webbasierte App „Myskyatnight“ online zugänglich (www.myskyatnight.com). Dort sind die Daten von Verlust der Nacht und zwei weiteren Citizen Science Projekten zur Lichtverschmutzung gebündelt. Auf der neuen Webseite hat jeder Interessierte nun Zugang zu den gesammelten Daten, welche vorher nur für  Wissenschaftler verfügbar waren. Die Bürgerwissenschaftler können verschiedene Darstellungen auswählen und selbst Analysen durchführen. Als Nutzer der „Verlust der Nacht“-App kann man so beispielsweise ein Profil anlegen, um die eigenen Messungen nachzuvollziehen.

Wenn Sie direkt mit den Wissenschaftlern des Projektes in Kontakt treten möchten, können Sie dies auf der Tagung der “European Citizen Science Association” (19.-21.05.2016 in Berlin). Dort wird man sich in einer  Session intensiv mit dem Thema auseinandersetzen.
Kontakt: Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Dr. Franz Hölker, 03064181665, hoelker@igb-berlin.de