Zugang zu Wasser auch ohne Wasserhähne

Prof. Antje Bruns von der Universität Trier will den Zugang zu sauberem Wasser erleichtern.
Die Geographin forscht mit ihrem Team zu gesellschaftlichen Naturverhältnissen und der Wasserkrise in Accra, Ghana.
Prof. Dr. Antje Bruns (Marina Rižovski-Jansen / DLR-PT)
Prof. Antje Bruns bei der Abschlusskonferenz der „Nachwuchsgruppen
Globaler Wandel - 4+1“ im Tieranatomischen Theater, Berlin.
Foto: Marina Rižovski-Jansen / DLR-PT

Wasserkrise in Accra?

Bunte Eimer stehen vor einem Wassertank. (WaterPower, Universität Trier)
Wassertank und Wasserbehälter in Accra, Ghana.
Foto: WaterPower, Universität Trier

Häufig wird gesagt, Wasser wird knapp. Die Geographin Antje Bruns stellt mit ihrer Nachwuchsgruppe in Ghana aber fest, dass es dort ausreichend Wasser gibt. „Es gibt jede Menge Wasser, aber das Wasser liegt nicht in ausreichender Qualität vor, und das ist das, was die Wasserkrise eigentlich ausmacht." Water-Power heißt das im BMBF-Förderprogramm „Nachwuchsgruppen Globaler Wandel - 4+1" des Referats 724 angesiedelte Projekt. Accra, die Hauptstadt Ghanas ist das Untersuchungsgebiet von Bruns' Team. In den schnell wachsenden Siedlungen an den Stadträndern Accras müssen Menschen Wasser in Eimern oder Flaschen kaufen. Und das ist teuer und oft von minderer Qualität. Dagegen verfügen die BewohnerInnen in den Siedlungen der ehemaligen britischen Kolonialherren über notwendige Wasserinfrastrukturen. Im periurbanen Gebiet, also da, wo Accra rasant wächst, gibt es jenseits netzgebundener Infrastruktur andere Formen, um an Wasser zu kommen. Da spielen z. B. Wassertanker eine sehr große Rolle. „WaterPower" analysiert dort das Zusammenspiel lokaler und globaler Krisenphänomene am Beispiel des Wassermangels, wie gesellschaftliche Verwerfungen, Bevölkerungswachstum, steigender Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung und Klimawandel.

Wassertanks und Wasserbehälter stehen in einem öffentlichen Bad. (WaterPower, Universität Trier)
Öffentliches Bad in Chorkor, Accra Metropolis, Ghana
Foto: WaterPower, Universität Trier

Im Studium der Geographie und anschließender Promotion hat sich Antje Bruns mit den Zusammenhängen zwischen Ressourcen, physischem Raum und gesellschaftlichen Prozessen beschäftigt. So war sie für die Leitung dieser Nachwuchsgruppe geradezu prädestiniert. „Um Erkenntnisse der natur- bzw. gesellschaftswissenschaftlichen Global-Change Forschung zusammenzuführen, sind meine Arbeiten an disziplinären Schnittstellen angesiedelt und analysieren gesellschaftliche Naturverhältnisse. Ziel ist, sowohl zur Theorie- und Konzeptbildung der raumwissenschaftlichen Nachhaltigkeitsforschung beizutragen, als auch durch Fallstudienanalysen empirisch evidente Befunde über MenschUmwelt-Interaktionen vorzulegen."

 

Zusammenarbeit mit afrikanischen WissenschaftlerInnen

Holzhütten und Holzboote am Hafen. (WaterPower, Universität Trier)
Informelle Siedlung in Jamestown, Bezirk Accra, Ghana
Foto: WaterPower, Universität Trier

Antje Bruns und ihr Team arbeiten bei der Feldforschung sowie der Erhebung von Daten eng mit WissenschaftlerInnen der Universität Ghana und der lokalen Verwaltung zusammen. Es geht bei der Forschung vor Ort auch darum, Realitäten und Praktiken der Menschen zu verstehen. Deshalb wurden bspw. Wassertankerfahrer von Rossella Alba aus dem WaterPower-Team begleitet, um nachzuvollziehen, wie dieses System funktioniert. „So sah unsere Forschung dann in der Praxis aus, um Wasserflüsse in der Stadt jenseits von Infrastrukturen aufdecken zu können. Mit unserem Mitarbeiter John Akubia haben wir z. B. die Urbanisierungsmuster kartiert. Wir sind also durch die Straßen gegangen und haben kartiert, wo wird begonnen, ein Haus zu bauen und wo ist ein Hausbau schon weit fortgeschritten, weil uns auch eben dieses Zusammenspiel von Urbanisierung und Zugang zu Wasser sehr interessiert."

Reformerische Einstellung

Sollen komplexe Krisenphänomene wie in Accra verstanden werden, muss Nachhaltigkeitswissenschaft bestehende Grundkonzepte kritisch hinterfragen", sagt Antje Bruns und gibt zu bedenken, „dass dafür die herkömmlichen universitären Strukturen verändert werden müssen. Diese reformerische Einstellung hat ihr nicht geschadet. Im Gegenteil, zu Beginn dieser Nachwuchsgruppe wurde sie als Juniorprofessorin berufen und hat 2015 den Ruf auf eine W3-Professur an die Uni Trier bekommen.
Es sei zwar nicht immer zur Freude innerhalb von Universitäten, wenn man sich nicht einfach und schnell zufrieden gibt mit Antworten und Strukturen. Antje Bruns legt ihren Finger auch mal in Wunden, dort, wo vielleicht auch Prozesse besser gemanagt werden könnten. Dabei bemüht sie sich um konstruktive Kritik und macht entsprechende Verbesserungsvorschläge.

Prof. Dr. Antje Bruns im Interview