Wirkung der Forschung in Kommunen: wie kann sie gesteigert werden?

Im Workshop "Wie wirkt Forschung in und mit Kommunen – Instrumente und Erfahrungen" veranschaulichten kommunale Akteure im Dialog mit Wissenschaftlern, was die Erfolgsfaktoren für die Zusammenarbeit sind. Sie legten dar, wie eine reale Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft gefördert werden kann. Der Schwerpunkt lag auf Reallaboren bzw. Experimentierräumen.
Podiumsdiskussion mit der Moderatorin, dem Co-Moderator und vier Diskutanten. (Inga Kjer / photothek)
Drei Projekte – gefördert im Rahmen der Sozial-ökologischen Forschung des BMBF – haben ihre Erfahrungen und innovativen Ansätze mit dem Publikum geteilt und kritisch diskutiert. Von links: Moderatorin Stephanie Lorek (DLR Projektträger), Dr. Alexandra Lux (Institut für sozial-ökologische Forschung), Michaela Bonan (Stadt Dortmund, Amt des Oberbürgermeisters), Christian Hampe (Utopiastadt gGmbH), Prof. Dr. Uwe Schneidewind (Wuppertal-Institut) und Ko-Moderator Jens Hasse (Deutsches Institut für Urbanistik).
Foto: Inga Kjer / photothek

BMBF-geförderte Forschungsprojekte und -initiativen sind zumeist anwendungsorientiert ausgerichtet. Die Frage, wie die Forschungsleistung ganz real in den Städten wirkt und wie man diesen Beitrag fördern kann, werde immer wichtiger, betonte Florian Frank, Referatsleiter im BMBF, in seiner Begrüßung an die Workshop-Teilnehmer*innen beim 14. Forum für Nachhaltigkeit (FONA) in Leipzig.

Gesellschaftsbezogene Nachhaltigkeitsforschung als Erfolgsschlüssel

Vortragende am Rednerpult (Inga Kjer / photothek)
Dr. Alexandra Lux präsentierte das Projekt ´TransImpact´
Foto: Inga Kjer / photothek

Erste BMBF-geförderte Projekte und Initiativen, die sich dem Thema Wirkungsorientierung widmen, gibt es bereits. Das Projekt "TransImpact. Wirkungsvolle transdisziplinäre Forschung" – im Rahmen des Förderschwerpunkts Sozial-ökologische Forschung – zielt neben der Vernetzung der Akteure transdisziplinärer Forschung darauf ab, Methoden und Qualitätsstandards für eine erfolgreiche transdisziplinäre Forschung zu identifizieren. Projektleiterin Dr. Alexandra Lux vom Institut für Sozial-ökologische Forschung (ISOE) stellte das Projekt vor und skizzierte anhand des konzeptionellen Rahmens, wo Wirkungen entstehen und welche Wirkungsformen und Ergebnisse es gibt. Voraussetzung für das Erreichen dieser seien eine frühe Verständigung über die gewünschten Wirkungen zwischen den Akteuren sowie ein Mix aus Partizipations- und Integrationsmethoden.

Bedarfsorientiert, kontinuierlich, mit gemeinsamer Sprache

Die Projekte der Fördermaßnahme "Umsetzung der Leitinitiative Zukunftsstadt" entwickeln partizipativ mit den beteiligten Kommunen und dem "Synthese- und Vernetzungsprojekt Zukunftsstadt" Wirkungsindikatoren für die Umsetzung ihrer Forschungsergebnisse.

Die Stadt Dortmund ist über das Dekaden-Programm nordwärts an mehreren Verbundprojekten der Leitinitiative beteiligt. Michaela Bonan ist Leiterin des Programms und bundesweit erste hauptamtliche Ombudsfrau für Bürgerinteressen im Amt des Oberbürgermeisters. Sie stellte nordwärts als ein kontinuierliches, lebendiges Reallabor vor, das in der Stadt verankert ist. Bonan betonte, dass Konzepte im Vorfeld lediglich ein Gerüst liefern können, und beschrieb die Spannungsfelder bei der Umsetzung von Reallaboren. Zum einen der 'Mensch-Wissenschaft'-Konflikt, wofür der Ausruf von Bürger*innen "Wir sind doch keine Mäuse" steht, als sie den Begriff Reallabor zum ersten Mal hörten. Zum anderen das Spannungsfeld 'Kommune-Wissenschaft'. Verwaltung sei häufig Vermittler oder Übersetzer zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Lokalpolitik; hier sollten sich die Wissenschaftler*innen noch stärker mit den häufig anders gelagerten Interessen, Bedarfen und Fähigkeiten der Akteure vor Ort beschäftigen. "Reallabore sollten keine Solitäre sein, sondern in den Städten von Beginn an mit benachbarten Quartieren, Stadtteilen oder parallel laufenden Projekten vernetzt werden.", so Michaela Bonan.

Forschung trifft Praxis: Vertrauen, Strukturen und die richtige 'Architektur'

Auch im Rahmen der Fördermaßnahme "Nachhaltiges Wirtschaften" gibt es zukunftsweisende Beispiele, wie das aus Wuppertal. Der Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, Prof. Dr. Uwe Schneidewind, stellte im Dialog mit Praxispartner Christian Hampe (Geschäftsführer Utopiastadt gGmbH) das Projekt "Wohlstandtransformation Wuppertal" vor. Am Beispiel des Mirker-Quartiers machte Hampe deutlich, dass der Aufbau von Vertrauen entscheidend für den Erfolg des Reallabors ist. Außerdem sei es wichtig Orte und Strukturen zu schaffen, um engagierten Menschen aus Wissenschaft, Bürgerschaft und Verwaltung Räume des Austauschs zu bieten. 

Teilnehmende des Workshops sitzen um runde Tische und hören dem Vortrag zu. (Inga Kjer / photothek)
Die rund 90 Teilnehmer*innen aus Kommunalverwaltung und -politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft brachten sich kritisch und konstruktiv in die Diskussion ein.
Foto: Inga Kjer / photothek

Im Rahmen des Workshops hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, ihre Fragen und Hinweise auf Karten festzuhalten, sowohl für die Diskussion, als auch im Hinblick auf die kontinuierliche Weiterentwicklung des Instruments Reallabore/Experimentierräume. Im Fokus der anschließenden Podiumsdiskussion standen die Themen Verstetigung der Ansätze und Übertragbarkeit auf andere Kommunen, Rolle und Selbstverständnis der Wissenschaft, Capacity Building sowie Partizipation und Vertrauensaufbau.

Außenansicht und Selbstreflexion

Diskutiert wurde auch die Frage, ob ein gesellschaftlicher Wandel hin zur Nachhaltigkeit einen wissenschaftlichen Anstoß brauche. Uwe Schneidewind bekräftigte, dass in jedem Fall eine wissenschaftliche Haltung nötig sei, offen und hinterfragend. Dann könnten Praxisakteure ihre Arbeit mit Hilfe von Wissenschaft in einen größeren konzeptionellen Kontext einordnen. Zudem stärke die Außensicht auf das eigene Handeln die Selbstreflexion. Im Hinblick auf Karrierewege und Rollen von Wissenschaftler*innen, die in transdisziplinären Projekten arbeiten, unterstrich Alexandra Lux, dass die Wissenschaft in verschiedenen Phasen unterschiedliche Rollen übernehme und eine klare Arbeitsteilung notwendig sei. Aus kommunaler Perspektive sprach sich Michaela Bonan für Forschungsprojekte mit mehreren Kommunen aus, um den Erfahrungs- und Wissensaustausch zu ermöglichen sowie den Kompetenzaufbau von Kommunen mit wenig oder ohne Erfahrung mit wissenschaftlichen Projekten zu fördern. Hierfür sehe sie die Kommunen mit längerer Fördererfahrung in der Verpflichtung.

Stadtentwicklung durch Bürgerbeteiligung

Ein Redner des Workshops am Pult. (Inga Kjer / photothek)
Jens Hasse (Difu) brachte seine Eindrücke von den Posterpräsentationen der Zukunftsstädte aus dem Wettbewerb mit Blick auf die vorgesehenen Reallabore ein.
Foto: Inga Kjer / photothek

Uwe Schneidewind wies abschließend daraufhin, dass 'Stadtentwicklung von unten' akteurszentrierte Projekte häufig initiiert und möglich macht. Diese sei geeignet einen 'Clash' zwischen den Engagierten der Stadtgesellschaft einerseits und den legitimierten Entscheidungsträgern in Verwaltung und Politik andererseits herbeizuführen. Hier müssten heute und in Zukunft wesentliche Fragen der Demokratie auf kommunaler Ebene und der Legitimation von Verwaltungen und Volksvertretern neu gestellt und beantwortet werden. Daher solle diese 'Stadtentwicklung von unten' wissenschaftlich begleitet, über Sachverhalte und Wirkungszusammenhänge informiert und zu eigenständigem Bearbeiten komplexer Fragestellungen und Prozesse befähigt werden. 

Im Auftrag des BMBF wurde der Workshop vom DLR Projektträger zusammen mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) im Rahmen des 14. FONA-Forums des BMBF veranstaltet und moderiert.