Zuwendungen für SASSCAL II - Southern African Science Service Centre for Climate

Richtlinie zur Förderung von Zuwendungen für SASSCAL II − Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management (Kompetenzzentrum zur wissenschaftlichen Unterstützung gegen den Klimawandel und des anpassungsfähigen Landmanagements im südlichen Afrika), Bundesanzeiger vom 29.04.2019

1 Förderziel, Zuwendungszweck, Rechtsgrundlage

1.1 Förderziel und Zuwendungszweck

Die Berichte des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), die Konferenzen der Unterzeichnerstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC, COPs) und das Pariser Klimaabkommen halten einen Konsens zwischen Staaten, Entscheidungsträgern und Wissenschaftlern über folgende Erkenntnis fest: Der Klimawandel ist eine unmittelbare Bedrohung für unsere Gesellschaften und die Umwelt und erfordert weltweit wissenschaftsbasierte Maßnahmen, politische Konzepte und Strategien zur Abmilderung von und Anpassung an die Folgen der Erderwärmung. Das südliche und westliche Afrika wurden als Regionen identifiziert, die am empfindlichsten auf die klimatischen Schwankungen und den Klimawandel reagieren. Um den Gefahren und Bedrohungen zu begegnen, die von klimatischen Schwankungen und dem Klimawandel ausgehen, benötigen Entscheidungsträger auf allen Ebenen wissenschaftlich fundierte Informationen und Kenntnisse, um Abmilderungs- und Anpassungsstrategien entwickeln sowie Umwelt, Volkswirtschaften und Gesellschaften im südlichen Afrika nachhaltig entwickeln zu können.

Die Fördermaßnahme „SASSCAL II − Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management ist eine Initiative des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) als Teil des Rahmenprogramms „Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA3). Das Ziel dieser Maßnahme ist die Entwicklung des erforderlichen Humankapitals, die Entwicklung von Werkzeugen zur Entscheidungsfindung für zukunftsorientiertes Handeln sowie die Entwicklung innovativer Lösungen für eine nachhaltige Wirtschaft und Gesellschaft in Schlüsselregionen, die aller Erwartung nach durch den Klimawandel hart getroffen werden. Eine dieser Schlüsselregionen ist das südliche Afrika. Darüber hinaus zielt die aktuelle Afrikastrategie des BMBF auf eine verstärkte Kooperation mit afrikanischen Partnern bei der Bewältigung globaler Herausforderungen, beim Aufbau nachhaltiger und hochwertiger Infrastrukturen für wissenschaftliches Arbeiten, bei der Stärkung regionaler und kontinentaler Zusammenarbeit, bei der Entwicklung innovativen Potenzials und neuer Märkte sowie bei der Stärkung des Profils der Bundesrepublik als Schlüsselpartner für Afrika in den Bereichen Bildung und Forschung. Zu den Rahmenbedingungen für die Implementierung der aktuellen Fördermaßahme zählen über die Afrikastrategie des BMBF hinaus die Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung von 2008, der Aktionsplan „Internationale Kooperation des BMBF und die afrikapolitischen Leitlinien der Bundesregierung von 2014.

Ein entscheidendes Instrument im Rahmen von FONA war die Einrichtung zweier regionaler Kompetenzzentren zu Klimawandel und Landmanagement in Afrika. Nach einer einjährigen Vorbereitungsphase hat das BMBF im Juli 2010 gemeinsam mit Partnern aus zehn westafrikanischen und fünf südafrikanischen Ländern begonnen, zwei regionale Kompetenzzentren einzurichten: das WASCAL in Westafrika und das SASSCAL in Südafrika. Das Kompetenzzentrum SASSCAL (Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management – Kompetenzzentrum zur wissenschaftlichen Unterstützung des Kampfes gegen den Klimawandel und des anpassungsfähigen Landmanagements im südlichen Afrika) ist eine Gemeinschaftsinitiative von Angola, Botswana, Deutschland, Namibia, Südafrika und Sambia. Es hat 2010 seinen Betrieb aufgenommen und will zu einer regional relevanten und international anerkannten Institution werden, die der Region durch Bereitstellung wissenschaftlich fundierter Informationen und Kenntnisse zu den Themen Klimawandel und anpassungsfähiges Landmanagement dient.

In SASSCAL wurde bisher ein Forschungsportfolio von insgesamt 88 Teilprojekten gefördert (im Gesamtumfang von 23,8 Mio. Euro über fünf Jahre bis April 2018). Schwerpunkte dieser vom BMBF finanzierten Projekte aus der gesamten SASSCAL-Region sind Information und Serviceleistungen zum besseren Verständnis und zur Bewertung der Auswirkungen von Klimawandel und Anpassungen beim Landmanagement in fünf Bereichen: Klima, Wasser, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Biodiversität. Trotz der ausgezeichneten wissenschaftlichen Qualität der Forschungsaktivitäten des aktuellen Forschungsportfolios ist festzustellen, dass die Projekte primär auf nationaler Ebene entwickelt und nur in geringem Umfang regional integriert wurden. Um dieses Problem anzugehen und bei zukünftigen Forschungsprogrammen die regionale Integration zu verbessern, hat SASSCAL in einem konsultativen und länderübergreifenden Prozess einen Wissenschaftsplan für die nächste Phase (2019 bis 2022) entwickelt, der die Eckpfeiler des SASSCAL-Nutzungsversprechens aufgreift, und somit den wissenschaftlichen Mehrwert, der mit dem Kompetenzzentrum generiert werden soll, anstrebt: Relevanz, Exzellenz, Innovation, Kapazitätsentwicklung und regionale Integration.

Grundlage für den SASSCAL-Wissenschaftsplan ist der im Rahmen eines konsultativen und partizipativen Prozesses ermittelte Forschungsbedarf. Bei dem Plan geht es um die Bereitstellung evidenzbasierten Wissens für

• ein besseres Verständnis der Dimension, Dynamik und Auswirkungen globaler Umweltveränderungen im südlichen Afrika;

• ein besseres Verständnis der Implikationen dieser Veränderungen für die Entscheidungsfindung auf Ebene aller Stakeholder und

• die Ankurbelung und Förderung von Innovation, Kapazitätsaufbau und Entscheidungsfindung zur Bewältigung dieser Herausforderungen.

Um diese Ziele zu erreichen, hat der SASSCAL-Wissenschaftsplan regionale Bedarfe identifiziert und priorisiert, bleibt aber offen für konkrete Aktivitäten in allen Bereichen, in denen das SASSCAL-Kompetenzzentrum aufgrund seines regionalen, trans- und interdisziplinären und Stakeholder-orientierten Ansatzes komparative Vorteile bietet.

Um wirksam auf den regionalen Forschungsbedarf einzugehen und die Arbeit des Kompetenzzentrums erfolgreich zu gestalten, gilt es als Schlüsselfaktor, sich bei der kollaborativen und transdisziplinären Forschung zur wissenschaft-lichen Untersuchung der Aspekte des globalen Wandels, die das Wohl der Menschen und die nachhaltige Entwicklung im südlichen Afrika umfassen, auf die Forschungsfelder zu konzentrieren, die von Wissenschaftlern andernorts aller Wahrscheinlichkeit nach nicht abgedeckt werden.

Der komparative Vorteil von SASSCAL zeigt sich vor allem in dem regionalen Ansatz, der auf einem Forschungsnetzwerk mit den erforderlichen wissenschaftlichen Stärken und Fachkompetenzen beruht. Dieses wurde in der ersten SASSCAL-Phase (2013 bis 2018) aufgebaut und bietet nun die Grundlage für die Umsetzung von Forschung, Kapazitätsentwicklung und Serviceleistungen im Rahmen der regionalen Bemühungen.

Die Fördermaßnahme „SASSCAL II befasst sich mit dem regionalen Forschungsbedarf und den Anforderungen im Kontext der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung, des Pariser Klimaabkommens, der Vision 2036 und des dazugehörigen Maßnahmenplans der Afrikanischen Union, der afrikanischen Initiativen im Rahmen der Global Change-Forschung, der einzelstaatlichen Politiken sowie der zahlreichen Aktions- und Entwicklungspläne der Entwicklungs-gemeinschaft des südlichen Afrika (SADC), insbesondere in den Bereichen Wissenschaft, Technologie und Innovation sowie Klimawandel.

Um dieses übergreifende Ziel zu erreichen, wurden die folgenden Einzelziele für das SASSCAL-Forschungsprogramm identifiziert und bilden somit die Grundlage für die Aufforderung zur Einreichung von Forschungsanträgen:

1. Förderung und Unterstützung der Umsetzung und des Transfers von Forschungsergebnissen, neuen Erkenntnissen und Innovationen als Beitrag zur Realisierung der SASSCAL-Vision für die Entwicklung der Gesellschaften im südlichen Afrika. Durch die Entwicklung und Implementierung von Instrumenten für die Verbreitung und Zugänglich¬machung von Informationen will SASSCAL die Möglichkeiten zum Wissenstransfer in eine größere Gemeinschaft von Nutzern und politischen Entscheidungsträgern verbessern.

2. Entwicklung, Förderung und Optimierung von international anerkannten Forschungsprogrammen und neu ent¬stehenden Forschungskapazitäten. Die internationale Reputation von SASSCAL wird durch wachsendes regionales, kontinentales und globales Engagement gestärkt; dies geschieht durch die Entwicklung und Ausweitung der inter¬nationalen Forschungszusammenarbeit, den Aufbau nachhaltiger multinationaler Partnerschaften und die Adressierung globaler Herausforderungen durch internationale Entwicklungsprojekte.

3. Förderung und Verbesserung der Aktivitäten von SASSCAL in den Bereichen Forschung, Kapazitätsentwicklung und Dienstleistungen zur Bereitstellung transformativer Erfahrungen für Hochschuleinrichtungen, Stakeholder sowie in die Zusammenarbeit eingebundene öffentliche und private Partner.

4. Förderung und Verbesserung von Chancen für kollaborative, inter- und transdisziplinäre Initiativen zwischen SASSCAL-Partnern mit regionalen und internationalen Stakeholdern.

5. Förderung und Verbesserung von Forschungspartnerschaften, die von den SASSCAL-Forschungskapazitäten profitieren und zu ihnen beitragen, die Forschungsförderung erhöhen und die Bereitstellung forschungsbasierter Daten für Stakeholder und Partner auf lokaler, nationaler, regionaler und globaler Ebene verbessern.

6. Unterstützung von Forschungsarbeiten zur Förderung von Vielfalt und Inklusivität als Beitrag zu einem verbesserten Verständnis von Kulturen und Gemeinschaften innerhalb der Region und in ganz Afrika sowie von Forschungsarbeiten mit positiven Auswirkungen auf die Lebensqualität der Menschen.

Mit dieser neuen Bekanntmachung für die folgende Arbeitsphase (2019 bis 2022) setzt das BMBF seine Forschungsförderung im südlichen Afrika fort und baut damit unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Stakeholdern und Entscheidungsträgern auf die in der ersten Phase erzielten Ergebnisse auf.