Zweite „Sonne"-Expedition unter Oldenburger Leitung

Oldenburg. Zum zweiten Mal sticht Deutschlands modernstes Forschungsschiff „Sonne" unter Oldenburger Leitung in See: Vom 26. Januar bis zum 27. Februar 2017 begibt sich ein internationales Team um die Meeresforscher Prof. Dr. Meinhard Simon und Prof. Dr. Peter Schupp auf die Spur von Bakterien- und Schwammgemeinschaften im Pazifik. Die 40 Wissenschaftler aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Neuseeland untersuchen im südwestlichen Pazifik um Neuseeland sowohl die Biodiversität von Bakterien in der Wassersäule als auch die biologische Vielfalt von Schwämmen. Bereits im vergangenen Jahr war ein großer Teil des Forscherteams mit der Sonne im Pazifik unterwegs – darunter überwiegend Wissenschaftler des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg.
Das Forschungsschiff "SONNE" vor der Skyline von Auckland (Universität Oldenburg / Jutta Niggemann)
Das Forschungsschiff "SONNE" vor der Skyline von Auckland
Foto: Universität Oldenburg / Jutta Niggemann

Die Forschungsziele gliedern sich in zwei Gebiete: Einerseits wird die Biodiversität der Bakteriengemeinschaften in der Wassersäule zwischen der Oberfläche und dem Meeresboden und im Oberflächensediment untersucht. Diese Arbeiten sind eine Fortsetzung und Ergänzung entsprechender Untersuchungen im Pazifik im letzten Jahr. Zum anderen wird die Biodiversität von am Meeresboden lebenden Tieren, insbesondere Schwämmen, aber auch Korallen, Seesternen und Seegurken erforscht.


Zu den wichtigsten Arbeitsgeräten der Wissenschaftler gehört der Tauchroboter ROV Kiel 6000, der bis in 6.000 Meter Tiefe arbeiten kann. Zwischen 29°S und 60°S soll er an 23 Stationen Proben am Meeresboden entnehmen. Mit ihren Untersuchungen auf dem Schiff und später in den Heimatlaboren wollen die Forscher mehr herausfinden über die Biodiversität der Schwämme, deren assoziierten Mikroorganismen und wie sie chemisch untereinander kommunizieren. Welche Hemmstoffwirkung haben sie auf Bakterien und über welche Fraßschutzeigenschaften verfügen sie? Auch diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Interesses. „Wir wissen bereits, dass die Mikroorganismen in den Schwämmen besondere Wirkstoffe produzieren, die sich möglicherweise für bestimmte Anwendungen in der Medizin, beispielsweise Antibiotika, eignen. Hierüber wollen wir mehr erfahren", sagt der Schwammexperte Schupp.


Mit der Expedition SO254 erforschen die Wissenschaftler ein weiteres Gebiet im größten Ozean der Welt. Zusammen mit der Sonne-Ausfahrt im vergangenen Jahr ergebe sich eine „umfassende Erforschung des Pazifiks, die es unseres Wissens nach in dieser Form noch nicht gab", so Fahrtleiter Simon. Das interessiert auch den neuseeländischen Minister für Wissenschaft und Innovation: Drei Tage vor Auslaufen des Schiffs geht Hon Paul Goldsmith in Auckland an Bord, um sich von Simon das Projekt erläutern zu lassen.


Allein 24 der insgesamt 40 Wissenschaftler des Expeditionsteams stammen vom Heimatinstitut der „Sonne", dem ICBM. Neun Wissenschaftler gehören dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel an. Weitere Partner sind das Braunschweiger Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, die Universität München (LMU), die ETH Zürich sowie die Forschungsinstitute NIWA aus Neuseeland und NIOZ aus den Niederlanden.