Getting to the Bottom of Lake Constance

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Research Project SEEZEICHEN Examines Previously Unknown Groundwater Inflow Points in Lake Constance

Auslöser des Projektes war eine hochauflösende Vermessung des Seegrundes im Jahre 2014, bei der es deutliche Anzeichen dafür gab, dass im Überlinger Seeteil Grundwasserzutritte vorhanden sein könnten. Diese sollen nun näher untersucht werden, da sie – neben den Zuflüssen, den Direkteinleitungen und den diffusen Quellen – als Stoffeintragspfad von Bedeutung für die Wasserqualität des Bodensees sein können. „Wir möchten wissen, wie sich die unterschiedlichen Zuflüsse im See ausbreiten und ob hierbei eine Anreicherung mitgeführter Stoffe stattfindet“, erläutert Margareta Barth, Präsidentin der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW). Die LUBW übernimmt mit ihrem Institut für Seenforschung in Langenargen die Gesamtkoordination des Projektes.

Seit seiner ersten Besiedelung in der Jungsteinzeit unterliegen der Bodensee und sein umliegendes Ufer- und Einzugsgebiet einem stetigen Wandel. Seine vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten machen das Bodenseegebiet zu einem Natur-, Lebens-, Erholungs-, Kultur- und Wirtschaftsraum, der in seiner Einzigartigkeit und Attraktivität kaum zu überbieten ist. Um den wachsenden zivilisatorischen Herausforderungen begegnen zu können, bedarf es international abgestimmter Anstrengungen sowie innovativer Forschungsaktivitäten. Hierbei spielen der Gewässerschutz und die Trinkwasserversorgung eine wesentliche Rolle. Deshalb engagieren sich seit mehr als 50 Jahren die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) sowie die in der Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) vertretenen Wasserversorgungsunternehmen als „Anwälte des Wassers“. In Forschungsvorhaben wie „Tiefenschärfe“ und „BodenseeOnline“ erarbeiteten sie gemeinsam mit Universitäten, Instituten und Ingenieurbüros Werkzeuge für die Modellierung verschiedener Wasserkörper und Einschichtungen im See und fanden dabei die Hinweise auf zusätzliche Grundwasserzutritte.

Das neue Forschungsvorhaben SEEZEICHEN identifiziert nun die Einschichtungen von Grundwasser und Zuflüssen sowie deren Einfluss auf Was-serqualität und Trinkwasserversorgung. Bislang sind die Auswirkungen von Stoffeinträgen aus dem Grundwasser auf den Bodensee weitgehend unbekannt. Es ist unklar, welche Auswirkungen der anhaltende Nutzungsdruck sowie der bereits zu beobachtende Klimawandel auf den Grundwasserzufluss haben werden.

Durch die Bedeutung des Bodensees als wichtiger Trinkwasserspeicher und sensibles Ökosystem sind die geplanten Forschungsarbeiten für zahlreiche Nutzer des Bodensees von Interesse: Dazu zählen die Fachbehörden aus dem Bereich Wasserwirtschaft, das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau sowie wissenschaftliche Institutionen und Trinkwasserversorger. Mithilfe der Ergebnisse können beispielsweise Handlungsempfehlungen zum nachhaltigen Schutz korrespondierender Grund- und Oberflächengewässer abgeleitet und auf andere Seewasserkörper übertragen werden. Die Ergebnisse fließen anschließend in die Gefährdungsbeurteilungen der Trinkwasserversorger ein.

SEEZEICHEN ist Teil der BMBF-Fördermaßnahme „Regionales Wasser-ressourcen-Management für den nachhaltigen Gewässerschutz in Deutschland (ReWaM)“ im Förderschwerpunkt „Nachhaltiges Wassermanagement (NaWaM)“. Das in interdisziplinärer Zusammenarbeit von verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen und Praxispartnern durchgeführte Projekt läuft bis Ende März 2018 und hat ein Fördervolumen von rund 1,2 Mio. Euro.


An dem Projekt beteiligt sind:

  • LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen  und Naturschutz in Baden-Württemberg: Institut für Seenforschung, Langenargen
  • Technische Universität Bayreuth: Lehrstuhl für Hydrogeologie
  • Technische Universität Braunschweig: Institut für Geosysteme und Bioindikation (IGeo)
  • Ingenieurgesellschaft Prof. Kobus und Partner GmbH, Stuttgart
  • Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung, Stuttgart