Joint Use of Water, Joint Opportunities

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Vielerorts sind Wasserressourcen gefährdet, da verschiedene Nutzungsarten nicht ausreichend aufeinander abgestimmt werden. Das Projekt „Erhöhung der STEuerungskompetenz zur ERreichung der Ziele eines integrierten Wassermanagements (STEER)", das von der Universität Osnabrück koordiniert wird, erforscht innovative Formen von Koordination und Kooperation, um solche Nutzungskonflikte zu lösen. Im Zentrum steht dabei ein diagnostischer Ansatz, mit dem sich typische Problemlagen untersuchen und passende Lösungsstrategien entwickeln lassen.

Wasser stellt eine wertvolle Ressource für zahlreiche Bereiche dar, etwa in der Landwirtschaft, im Energiesektor oder in privaten Haushalten. Werden verschiedene Nutzungen von Wasser- und damit verbundener Landressourcen nicht effektiv aufeinander abgestimmt, so kann die verfügbare Wassermenge oder -qualität so stark abnehmen, dass bestimmte Nutzungsarten eingeschränkt und Ökosysteme beeinträchtigt werden. Um dieses Problem zu lösen, ist in den letzten zwei Jahrzehnten das Konzept des Integrierten Wasserressourcenmanagements (IWRM) populär geworden. Es zielt darauf ab, die Ansprüche verschiedener Nutzer und Nutzungsarten aufeinander abzustimmen.

In der Praxis steht die Umsetzung von IWRM jedoch vor großen Herausforderungen: Viele Probleme sind zu komplex um sie aus einer vorwiegend wasserzentrierten Perspektive heraus zu lösen. Eine tiefergehende Integration der Ziele von Wasser-, Energie- und Nahrungssicherheit ist daher notwendig, um die sektorübergreifende Steuerungskompetenz (Governance) zu verbessern und Nutzungskonflikte zu verringern. Hier setzt das Forschungsprojekt STEER an. »Unser Ziel ist es, innovative Wege zu finden, um die Steuerungskompetenz zur Lösung komplexer Wasserressourcen-Probleme zu erhöhen«, erklärt Prof. Claudia Pahl-Wostl von der Universität Osnabrück. Dabei stehen neue Formen von Koordination und Kooperation im Zentrum des Interesses.

Das Besondere an STEER ist die angestrebte Entwicklung eines diagnostischen Ansatzes. Ein solcher Ansatz identifiziert erfolgversprechende Lösungsstrategien auf der Grundlage ähnlicher Problemlagen, die sich durch charakteristische Eigenschaften auszeichnen. Der diagnostische Ansatz ermöglicht es, Lösungsstrategien für ähnliche Kontexte anzupassen und zu übertragen. Die systematische Einbindung von Akteuren aus der Praxis spielt in STEER eine große Rolle. In vertieften Fallstudien mit unterschiedlichen Ausgangsbedingungen – Weser-Ems, Emscher, Guadalquivir, Kharaa und uMgeni – wird das Projekt untersuchen, wie sich bestimmte Faktoren wie Organisationsstrukturen, rechtliche Vorgaben, Umweltbedingungen auf die Wirksamkeit von Koordination und Kooperation und somit auf den Erfolg von IWRM auswirken. Dabei sollen auch die Perspektiven von Akteuren vor Ort berücksichtigt werden.

Auf wissenschaftlicher Ebene leistet STEER einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung und Anwendung diagnostischer Ansätze in der Forschung zur Steuerungskompetenz im Wassersektor. Das Projekt trägt dazu bei, Nutzungskonflikte zwischen verschiedenen Sektoren zu verringern und Synergien zu schaffen, um Wasserressourcen vorausschauender und nachhaltiger zu bewirtschaften. Anvisierte Nutzergruppen für die Ergebnisse des Projekts sind regionale Akteure aus dem Wassersektor (beispielsweise Wasserverbände, Flusseinzugsgebietsorganisationen), für Wasserressourcen zuständige nationale Ministerien und Behörden, sowie internationale Organisationen (zum Beispiel Global Water Partnership), die sich für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser- und Landressourcen engagieren. Zur Verbesserung der Schnittstelle Wissenschaft – Politik und Praxis, werden Vertreter wichtiger internationaler Nutzergruppen dem Projekt während der gesamten Laufzeit beratend zur Seite stehen.

An STEER beteiligt sind neben der Universität Osnabrück auch das Ecologic Institut, das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik, die Universität Kassel, der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband sowie die Emschergenossenschaft. Das Verbundprojekt „STEER" wird im Rahmen der Fördermaßnahme „Globale Ressource Wasser" (GROW) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.