Schlammvulkane: Schlammspeiende Berge am Meeresboden

Eine der ersten Expeditionen in Zeiten von Corona führt das Forschungsschiff SONNE ins Mittelmeer. Dort erforschten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Schlammvulkane. Heute, am 1. Dezember 2020, wird das Schiff in Deutschland zurückerwartet.

Wenn es um Schlammvulkane geht, gerät Gerhard Bohrmann ins Schwärmen: „Das sind spektakuläre Untersuchungsobjekte für uns." Der Professor für Meeresgeologie am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen leitet die aktuelle Expedition des Forschungsschiffs SONNE. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Griechenland, Italien und Taiwan untersuchen zwei Monate lang Schlammvulkane im Mittelmeer südlich von Kreta. Er interessiert sich besonders für die Entstehungsgeschichte dieser schlammspeienden Berge am Meeresboden und den Stoffaustausch mit dem Meerwasser.

Kollisionszone zweier Kontinentalplatten

An Land gibt es weltweit insgesamt etwa 1100 Schlammvulkane. In den Weltmeeren ist ihre Zahl Schätzungen zufolge deutlich größer, alleine im östlichen Mittelmeer gibt es etwa 500 dieser Vulkane, die anstelle von Lava Schlamm und Gesteinsbrocken speien. „Hier im Mittelmeer stoßen die Eurasische und Afrikanische Kontinentalplatte aufeinander", erklärt Bohrmann. „In dieser Kollisionszone steigt Schlamm aus großer Tiefe auf."

Modernstes ozeanografisches Equipment

Auf der Expedition gewannen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Erkenntnisse zu den Entstehungsbereichen des Schlammtransportes und zu den Inhaltstoffen der Schlammflüsse. Wichtige Instrumente waren der autonome Tauchroboter „AUV MARUM SEAL 5000", der auf der Fahrt seinen 100. Tauchgang absolvierte, und ein Schwerelot. „Ein Schwerelot kann man sich vorstellen wie einen gigantischen Strohhalm, mit dem man Schlamm aus dem Vulkankrater am Meeresboden entnimmt", so Bohrmann. Mit diesem Schwerelot zogen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fünf Meter lange Sedimentkerne – „möglichst aus den Schlotbereichen der Schlammvulkane", wie Bohrmann betont. Diese Kerne untersuchten die Forscherinnen und Forscher dann akribisch auf ihre Zusammensetzung und die enthaltenen Flüssigkeiten und Gase. „So können wir bestimmen, aus welcher Tiefe der ausgestoßene Schlamm stammt und wie er mit dem Meereswasser wechselwirkt", berichtet Bohrmann.

Die Vermessung des Vulkans

Ein Highlight der Expedition war die Entdeckung und Vermessung eines zuvor unbekannten Schlammvulkans. Gemäß der internationalen wissenschaftlichen Gepflogenheit, dass diejenigen, die eine neue morphologische Struktur am Meeresboden entdecken, ihr einen Namen geben dürfen, tauften die Forscherinnen und Forscher „ihren" Schlammvulkan „Helios" – griechisch für „Sonne". Bohrmann dazu: „Forschungsschiffe sind beliebte Namenspatinnen. Es gibt schon etliche morphologische Strukturen am Meeresboden, die nach deutschen Schiffen benannt sind, zum Beispiel das METEOR-Tief vor Südamerika, der POLARSTERN-Seamount oder die Große METEOR-Bank."

Mit dem Schwerelot gewinnen die Forscherinnen und Forscher Sedimentproben aus der Tiefsee
© Yi-Ting Tseng