Biodiversität wird hörbar: Neuer ECO²SCAPE-Policy Brief zeigt Potenziale von passivem akustischem Monitoring in der Landwirtschaft

Wie lässt sich der Erfolg von Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität in der Landwirtschaft messen? Das Projekt ECO²SCAPE hat dafür die Methode des Passiven Akustisches Monitorings (PAM) angewandt und die gesammelten Erkenntnisse in seinem zweiten Policy Brief „Mit Passivem Akustischem Monitoring Biodiversität in der Landwirtschaft honorieren“ veröffentlicht. Das Projekt wurde im Rahmen der Maßnahme „Wertschätzung und Sicherung von Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“ (BiodiWert) vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.

Passives Akustisches Monitoring als Baustein ergebnisorientierter biodiversitätsschützender Maßnahmen

Passives Akustisches Monitoring (PAM) basiert auf akustischen Aufzeichnungen, die anschließend automatisiert ausgewertet werden. Damit lassen sich insbesondere akustisch aktive Tiergruppen wie Vögel, Fledermäuse und Insekten standardisiert erfassen. Dieses Verfahren kann dazu benutzt werden, den Erfolg von biodiversitätsschützenden Maßnahmen in der Landwirtschaft zu messen. PAM ergänzt die bislang häufig „pflanzenzentrierte“ Ergebnishonorierung sinnvoll, in dem es den Blick auf Artenvielfalt erweitert, Transparenz erhöht und die Wirkung von Aktionen zum Schutz der Biodiversität besser sichtbar macht.

Erfolgsfaktoren für die Umsetzung in der Praxis 

Der Policy Brief benennt zentrale Voraussetzungen, damit PAM wirksam eingesetzt werden kann:

  • Klare Biodiversitätsziele und geeignete Indikatoren festlegen
  • Landwirtinnen und Landwirte frühzeitig beteiligen
  • PAM-Einsatz technisch und finanziell unterstützen
  • Skalierung über Pilotprojekte ermöglichen 

Rückblick: erster Policy Brief zur transdisziplinären Forschung

Das Team von ECO²SCAPE veröffentlichte Ende 2025 einen ersten Policy Brief unter dem Titel „So gelingt transdisziplinäre Forschung für eine nachhaltige Agrarwende“. Dieser adressiert die Frage, wie transdisziplinäre Forschung so gestaltet werden kann, dass sie für die Transformation von Agrar- und Ernährungssystemen wirksam wird. Empfohlen werden unter anderem langfristige und flexible Förderstrukturen, eine gezielte Honorierung von Praxispartnern und Koordinationsaufgaben, Kommunikation auf Augenhöhe, angepasste Bewertungskriterien wissenschaftlicher Leistung sowie die frühe Förderung transdisziplinärer Kompetenzen in der Ausbildung.

Hintergrund zum Projekt ECO²SCAPE

Das Projekt ECO²SCAPE wurde von Oktober 2021 bis März 2025 vom BMFTR im Rahmen seiner Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) gefördert. Beteiligt am Vorhaben waren die TU Dresden, die BTU Cottbus-Senftenberg, das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung sowie der Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen und der Nationale Naturlandschaften e.V. als Dachverband der deutschen Nationalparke, Biosphärenreservate und Wildnisgebiete.

Die Projektpartner entwickelten und erprobten in einem Co-Design-Prozess neue Ansätze und Maßnahmen zum Erhalt von Biodiversität und Ökosystemleistungen in der Landwirtschaft. Im Fokus stand die Frage, wie biodiversitätsfördernde Maßnahmen ökologisch wirksam, ökonomisch tragfähig und praktisch umsetzbar gestaltet werden können. Dafür wurden Landwirtinnen und Landwirte sowie weitere Stakeholder aus der Region aktiv eingebunden, um mögliche Zielkonflikte sichtbar zu machen, Interessen auszubalancieren und anschlussfähige Lösungen zu entwickeln. Als Modellregion diente die „Vereinigte Mulde“ im Nordwesten Sachsens zwischen Eilenburg und Bad Düben.