Deutsche IPCC-Fachtagung 2026: Perspektiven für den Weltklimarat IPCC

Fachleute aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft diskutierten, wie der IPCC als unabhängige wissenschaftliche Instanz angesichts der fortschreitenden globalen Erwärmung und veränderter geopolitischer Kontexte bestmöglich unterstützt werden kann.

Das 1,5‑Grad‑Ziel des Pariser Klimaabkommens ist die zentrale Leitplanke globaler Klimapolitik. Es basiert auf den wissenschaftlichen Bewertungen des Weltklimarats IPCC, die zeigen, dass eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad entscheidend ist, um die gravierendsten Folgen des Klimawandels zu vermeiden. 2025 überschritt die globale Mitteltemperatur diesen Wert zum ersten Mal für ein Einzeljahr. Da die Treibhausgas-Emissionen immer noch weiter ansteigen, deutet alles darauf hin, dass die globale Mitteltemperatur diesen Schwellenwert ab etwa 2030 auch dauerhaft überschreitet, womit das Ziel verfehlt wäre. Gleichzeitig stößt Klimaschutz – in Deutschland wie weltweit – zunehmend auf politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegenwind, trotz der klaren Botschaften des IPCC.

Um diese Entwicklungen einzuordnen und ihre Bedeutung für den IPCC zu diskutieren, kamen am 21. Januar 2026 rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zur Fachtagung der Deutschen IPCC‑Koordinierungsstelle (De-IPCC) in Berlin zusammen. Die Koordinierungsstelle fungiert als nationale Anlaufstelle zu allen Fragen rund um den Weltklimarat und berät im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) sowie des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die Bundesregierung in IPCC‑Angelegenheiten. Ziel der De-IPCC-Fachtagungen ist es, den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Verwaltung zu fördern, aktuelle IPCC‑relevante Entwicklungen frühzeitig zu diskutieren und Impulse für die deutsche Beteiligung am IPCC‑Prozess zu setzen.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung standen die Fragen „1,5 Grad globale Erwärmung – Grenze, Orientierungsmarke oder Wunschdenken?“ und „Quo vadis, IPCC?“. Die Teilnehmenden setzten sich intensiv mit wissenschaftlichen Fragen an den IPCC, Aspekten der politischen Kommunikation und der gesellschaftlichen Wahrnehmung auseinander. Ein breiter Konsens bestand darin, dass gerade in der aktuellen geopolitischen Lage ein widerstandsfähiger und handlungsfähiger Weltklimarat IPCC von zentraler Bedeutung ist, der auch künftig eine starke wissenschaftliche Stimme darstellt und politische Orientierung bietet. 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland kommt dabei eine bedeutende Rolle zu: Rund 40 Fachleute an Institutionen in Deutschland sind derzeit als Autorinnen und Autoren an den IPCC‑Berichten beteiligt. Darüber hinaus sind Forschende gefragt, die Wissenslücken schließen, neue Erkenntnisse veröffentlichen und faktenbasiert in öffentlichen Debatten auftreten. So könne Desinformation wirksam begegnet werden – darin waren sich die Teilnehmenden einig. 

Zunehmend wird auch ein breiterer Blick auf Umweltkrisen nötig: Der Klimawandel hängt eng mit der Biodiversitätskrise und Umweltverschmutzung zusammen. Die Teilnehmenden diskutierten, in welcher Form diese Multikrise in IPCC-Berichten am besten berücksichtigt werden kann, unter anderem aufbauend auf vergangenen Kooperationen mit dem Weltbiodiversitätsrat IPBES. Die De-IPCC und die Deutsche IPBES-Koordinierungsstelle stehen bereits in engem Austausch zur Vernetzung der entsprechenden Forschungsgemeinden.

Mit seinem langjährigen Engagement stärkt das BMFTR den IPCC, indem es die wissenschaftliche Arbeit finanziell und strukturell absichert. Mit der Förderung von Forschungsprojekten und -infrastrukturen sowie internationalen Kooperationen schafft das Ministerium zentrale Voraussetzungen dafür, um die deutsche Klimaforschung weiter zu stärken und die wissenschaftliche Expertise aus Deutschland auszubauen.

Hintergrund

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) – oft als „Weltklimarat“ bezeichnet – ist eine Institution der Vereinten Nationen. In seinem Auftrag bewerten seit mehr als 30 Jahren Fachleute weltweit den aktuellen Kenntnisstand zum Klimawandel aus wissenschaftlicher Sicht. Der IPCC bietet Grundlagen für wissenschaftsbasierte politische Entscheidungen, indem er unterschiedliche Handlungsoptionen aufzeigt, ohne jedoch Handlungsempfehlungen zu geben. Die Mitgliedsländer des IPCC sind an der Begutachtung der Berichte beteiligt und stimmen ihrer Veröffentlichung formell zu. Deshalb haben die Aussagen des IPCC politisch ein besonders großes Gewicht, und aufgrund seiner detaillierten Verfahrensregeln gelten seine Informationen als umfassend, verlässlich und ausgewogen.

Seit 1998 unterstützt die Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle den Wissenstransfer zwischen Forschung und Klimapolitik. Damit unterstützt sie den Beitrag der deutschen Klimawissenschaft zum IPCC und stärkt die Politikrelevanz der IPCC-Berichte. Die Auftraggeber der Koordinierungsstelle sind das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) und das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).