Der Weltbiodiversitätsrat IPBES verabschiedet auf der 12. Sitzung ein neues Assessment zu Wirtschaft und Biodiversität

Das „Business & Biodiversity Assessment“ wurde auf der 12. Sitzung der IPBES-Vollversammlung in Manchester (UK) verabschiedet. Es unterstreicht die zentrale Rolle der Wirtschaft beim Schutz und bei der nachhaltigen Nutzung der Biodiversität.

Jedes Unternehmen ist von der Biodiversität abhängig, und jedes Unternehmen hat Auswirkungen auf die Biodiversität. Das Wachstum der Weltwirtschaft ging mit einem immensen Biodiversitätsverlust einher, der nun ein kritisches und allgegenwärtiges systemisches Risiko für die Wirtschaft, die Finanzstabilität und das Wohlergehen der Menschen darstellt. Dies ist eine zentrale Erkenntnis des neuen Berichts, der vom Weltbiodiversitätsrat (IPBES) Anfang Februar veröffentlicht wurde.

Selbst Unternehmen, die auf den ersten Blick nicht von der Biodiversität abhängig erscheinen, sind direkt oder indirekt auf materielle Inputs, die Regulierung von Umweltbedingungen – wie Hochwasserschutz und Wasserversorgung – und immaterielle Beiträge wie Tourismus, Erholung und Bildung angewiesen. Dennoch wird die Natur in unternehmerische und andere wirtschaftliche Entscheidungsprozesse bisher vielfach nicht oder zu wenig einbezogen, was entscheidend zu einem beispiellosen Verlust an Biodiversität beiträgt.

Daher tragen Unternehmen oft auch nur geringe oder gar keine finanziellen Kosten für ihre negativen Auswirkungen auf die Natur, und viele können derzeit keine Einnahmen aus positiven Auswirkungen auf die Biodiversität erzielen.

Business & Biodiversity Assessment

Das methodologische IPBES-Assessment zu Auswirkungen und Abhängigkeiten der Wirtschaft bezüglich der Biodiversität und den Beiträgen der Natur für die Menschen („Business & Biodiversity Assessment“) wurde auf der 12. Sitzung der IPBES-Vollversammlung in Manchester, Großbritannien (3. bis 8. Februar 2026) von Vertreterinnen und Vertretern der mehr als 150 Mitgliedsregierungen verabschiedet. Die Deutsche IPBES-Koordinierungsstelle war als Teil der deutschen Delegation aktiv in die Beratungen zum Business & Biodiversity Assessment eingebunden. Die langwierigen aber überwiegend konstruktiven Diskussionen konnten nach mehreren Abendsitzungen erst in der Nacht vor dem Abschlussplenum am 8. Februar beendet werden. Die Teilnehmenden haben den Autorinnen und Autoren des Berichts zum erfolgreichen Abschluss der Beratungen stehend applaudiert.

Der Bericht wurde als Fast Track Assessment von 79 führenden Fachleuten aus 35 Ländern und allen Regionen der Welt aus Wissenschaft und Wirtschaft, darunter auch aus Deutschland. Auch indigene Völker und lokale Gemeinschaften haben an der Berichterstellung mitgewirkt.

Förderliches Umfeld für einen transformativen Wandel

Das Assessment macht deutlich, dass grundlegende Veränderungen möglich und notwendig sind, um ein förderliches Umfeld zu schaffen, in dem wirtschaftlicher Erfolg mit Biodiversitätsschutz und menschlichem Wohlergehen in Einklang gebracht werden kann. Denn die aktuellen Rahmenbedingungen perpetuieren „Business as usual“ und unterstützen den transformativen Wandel, der notwendig ist, um den Biodiversitätsverlust zu stoppen und umzukehren, nicht. So werden beispielsweise wirtschaftliche Aktivitäten, die den Biodiversitätsverlust fördern in erheblichem Maße öffentlich subventioniert, oftmals unterstützt durch Lobbyarbeit von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden. Im Jahr 2023 beliefen sich die globalen öffentlichen und privaten Finanzströme mit direkten negativen Auswirkungen auf die Natur auf schätzungsweise 7,3 Billionen US-Dollar, davon entfielen 4,9 Billionen US-Dollar auf private Finanzierungen und etwa 2,4 Billionen US-Dollar auf öffentliche Ausgaben für umweltschädliche Subventionen. Im Gegensatz dazu flossen im Jahr 2023 220 Milliarden US-Dollar an öffentlichen und privaten Finanzmitteln in Aktivitäten, die zur Erhaltung und Wiederherstellung der Biodiversität beitragen. Dies entspricht nur drei Prozent der öffentlichen Mittel.

Der Bericht macht deutlich, dass alle Unternehmen, einschließlich Finanzinstitute, eine Verantwortung haben, sich mit ihren Auswirkungen und Abhängigkeiten auseinanderzusetzen. Um diese Auswirkungen und Abhängigkeiten zu erfassen, gibt er Orientierungshilfe zur Verwendung verschiedener methodischer Ansätze zur Erfassung der unternehmerischen Auswirkungen und Abhängigkeiten in Bezug auf Biodiversität und Ökosystemleistungen. Bereits jetzt können Unternehmen Maßnahmen ergreifen, die sowohl dem Unternehmen als auch der Biodiversität zugutekommen – wie beispielsweise die Steigerung der Effizienz und die Reduzierung von Abfall und Emissionen.

Der Schutz und die nachhaltige Nutzung von Biodiversität stellen jedoch eine Gemeinschaftsaufgabe vieler Akteure aus Politik, Wirtschaft, Finanzsektor und Zivilgesellschaft dar. In den fünf spezifischen Feldern (1) politische, rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen; (2) Wirtschafts- und Finanzsysteme; (3) soziale Werte, Normen und Kultur; (4) Technologie und Daten; sowie (5) Kapazitäten und Wissen werden mehr als hundert konkrete Handlungsoptionen identifiziert, die von Unternehmen, Regierungen, Finanzakteuren und der Zivilgesellschaft ergriffen werden können, um ein förderliches Umfeld zu schaffen. 

Die Autorinnen und Autoren des Assessments räumen ein, dass es zwar eine große Wissensbasis gibt, die bereits jetzt als Leitfaden für Maßnahmen von Unternehmen dienen kann, Gleichzeitig bestehen aber auch wichtige Wissenslücken und Anwendungsdefizite, die die Fähigkeit aller Akteure einschränken, Unternehmensaktivitäten vollständig zu verstehen und effektiv zu steuern.

Die Deutsche IPBES-Koordinierungsstelle wird im Auftrag des BMBFTR und des BMUKN das 12. Nationalen IPBES-Forum ausrichten, wo die Ergebnisse des „Business & Biodiversity Assessments“ vorgestellt und gemeinsam mit Fachleuten aus dem privaten Sektor, Ministerien, nachgeordneten Behörden, Wissenschaft und Forschung sowie Nichtregierungseinrichtungen im Hinblick auf die nationale Verbreitung, Wirkung und praktische Umsetzung analysiert werden.