Artenvielfalt schützen – globale Herausforderung angehen

BMBF startet neue Forschungsinitiative für den Erhalt der Artenvielfalt / Karliczek: „Wissenslücken schließen, wirkungsvolle Lösungen entwickeln"
Ein Wiedehopf fliegt zu seinem Nistplatz. (Pixabay/MrLebies)
Der Wiedehopf ist in Deutschland stark gefährdet.
Foto: Pixabay/MrLebies

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek stellt heute die neue „Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in Berlin vor. Die Initiative wird die Forschung im Bereich Biodiversität maßgeblich vorantreiben, die deutschen Forschungsaktivitäten stärker bündeln und einen nachhaltigen Beitrag gegen den anhaltenden Verlust an biologischer Vielfalt leisten.

Forschungsministerin Anja Karliczek betonte: „Die Artenvielfalt ist unsere Lebensgrundlage. Ohne die Natur, ohne Pflanzen und Tiere könnten wir auf dieser Erde nicht existieren. Deshalb ist der Artenverlust auch eine Bedrohung für uns Menschen - das bewegt die Menschen in unserem Land. Wir wollen die biologische Vielfalt schützen. Dafür können wir bereits auf einer guten Wissensbasis über den Zustand einzelner Arten aufbauen. Nun gilt es, dieses Wissen zusammenzuführen, zu erweitern und die Zusammenhänge des Artenverlustes näher zu untersuchen. Dafür werden in der neuen Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt Forschende gemeinsam mit Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft, Verbrauchern und Bürgern nachhaltige Lösungen zum Schutz der Artenvielfalt erarbeiten."

Forschungsministerin Anja Karliczek und Senckenberg-Generaldirektor Prof. Volker Mosbrugger bei der Verkündung der BMBF-Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt. (BMBF/Anja Spiller)
Forschungsministerin Anja Karliczek und Senckenberg-Generaldirektor Prof. Volker Mosbrugger bei der Verkündung der BMBF-Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt.
Foto: BMBF/Anja Spiller

Der Verlust an Artenvielfalt hat in den vergangenen Jahrzehnten besorgniserregende Ausmaße angenommen. Experten schätzen, dass die Aussterberate von Tier- und Pflanzenarten jetzt im Schnitt um das Hundert- bis Tausendfache über dem Wert liegt, der in der Evolution üblich ist. In Deutschland ist fast jede dritte Wildpflanze vom Aussterben bedroht, darunter beispielsweise die Arnika oder die Kornrade. Besonders betroffen sind auch Vogel- und Insektenarten, darunter viele Wildbienenarten. Seit 1980 hat sich der Bestand der Feldvögel in der EU mehr als halbiert. Feldvögel wie der Kiebitz oder das Braunkehlchen sind in vielen Regionen bereits verschwunden. Damit ist der Verlust an Artenvielfalt heute eine unterschätzte Bedrohung und ein ebenso drängendes Problem wie der Klimawandel. Trotz vielfältiger nationaler und internationaler Bemühungen scheint dieser Negativtrend ungebremst. Grund hierfür sind auch erhebliche Wissenslücken, die einer stärkeren Mobilisierung der Öffentlichkeit und einem gezielten und wirksamen Handeln entgegenstehen. Viele Ursachen des Artenverlustes sind zwar bekannt. Dazu gehören der Verlust von Lebensräumen, der Klimawandel und die Übernutzung natürlicher Ressourcen. Das Wissen über das komplexe Zusammenwirken dieser Ursachen und das gesamte Ausmaß des Artenrückgangs ist jedoch lückenhaft.

Mit dem aktuellen Wissensstand können bereits Maßnahmen zum Arten- und Landschaftsschutz ergriffen werden. Beispielsweise wird der Stör in der Elbe wieder angesiedelt und ein Konzept für die Stabilisierung und Erholung der Arnika erarbeitet. Häufig fehlt es jedoch noch an verlässlichen Entscheidungsgrundlagen und Managementinstrumenten für den Umgang mit biologischer Vielfalt in übergreifenden Bereichen wie Politik und Wirtschaft, aber auch in individuellen Handlungsfeldern wie Konsum, Ernährung und Wohnen. Forschung soll dazu beitragen, diese Verständnis- und Maßnahmenlücken zu schließen, bevor der Artenverlust möglicherweise kritische Schwellen überschreitet. Dazu hat sich Deutschland auch auf internationaler Ebene als Unterzeichner des Übereinkommens über biologische Vielfalt (CBD) verpflichtet. Deshalb wird die neue Forschungsinitiative die Erfassung des Zustandes der Artenvielfalt beschleunigen, indem innovative Technologien entwickelt werden. Zudem sollen das Systemverständnis von Biodiversitätsveränderungen vertieft, sowie wirkungsvolle Handlungsoptionen im Dialog mit Anwendern erarbeitet entwickelt werden.

Die Schwerpunkte der Initiative bauen auf den Empfehlungen eines Kreises renommierter Biodiversitätsforscherinnen und –forscher auf (siehe „Frankfurter Erklärung"). Für die „Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt" stellt das BMBF in den kommenden Jahren 200 Millionen Euro zur Verfügung. Die Initiative ist im BMBF-Rahmenprogramm Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA) angesiedelt und trägt zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) sowie zur Hightech-Strategie 2025 der Bundesregierung bei.