Bekanntmachung im Rahmen von „MARE:N – Küsten-, Meeres- und Polarforschung für Nachhaltigkeit“ zum Thema „Submarines Grundwasser – Ökologie, Nutzung und Management (Offshore Freshened Groundwater)“
Diese Förderrichtlinie bezieht sich auf eine Förderinitiative der Joint Programming Initiative „Healthy and Productive Seas and Oceans“ (JPI Oceans) zum Thema „Offshore Freshened Groundwater“. Durch JPI Oceans werden zwischenstaatliche Aktivitäten im Zusammenhang mit den Meeren und Ozeanen gebündelt, beziehungsweise koordiniert. Die Mitgliedsländer verfolgen die Zielstellung, gemeinsam langfristige, strategische Prioritäten für die Meeresforschung und Technologieentwicklung im marinen Bereich in Europa festzulegen und durch gezielte Maßnahmen gemeinsame Schwerpunkte in der weiteren wissenschaftlich-technischen Entwicklung zu setzten.
1 Förderziel, Zuwendungszweck, Rechtsgrundlage
Die hier als Grundlage dienende, internationale Förderinitiative von vier Ländern ist auf der Internetseite https://jpi-oceans.eu/en/joint-call-offshore-freshened-groundwater in englischer Sprache veröffentlicht. Diese nationale Bekanntmachung formuliert die Förderbedingungen für deutsche Partner innerhalb dieser internationalen Förderinitiative von JPI Oceans.
Salzarmes Grundwasser beziehungsweise Süßwasser unter dem Meeresboden „Offshore Freshened Groundwater“ (OFG) ist eine potenziell strategische Ressource für die Wasserversorgungssicherheit in Küstengebieten und für Industriezweige mit hohem Frischwasserbedarf. Trotz seiner bereits in den 1960er Jahren erfolgten Entdeckung ist OFG nach wie vor wenig erforscht. Die vorhandenen Daten sind spärlich und stammen größtenteils aus zufälligen Funden im Rahmen von Offshore-Bohrungen nach Kohlenwasserstoffen. Es mangelt an koordinierten Forschungsansätzen zur Bewertung des Potenzials von OFG für eine nachhaltige Nutzung.
Um das Verständnis der OFG-Systeme zu verbessern, müssen deren Entstehungsgeschichte und Alter sowie die Mechanismen der Neubildung und Entnahme erforscht werden. Untersuchungen zur Durchlässigkeit, Porosität und zu den Fließwegen von Flüssigkeiten werden die Vorhersagen zum Verhalten von OFG unter natürlichen Bedingungen und zu potenziellen Nutzungsszenarien verbessern. Fließprozesse, hydraulische Eigenschaften und die Verbindungen zwischen terrestrischen und marinen Grundwasserleitern müssen untersucht werden, um die langfristige Ergiebigkeit einer OFG-Reserve abzuschätzen. Das Verständnis der Neubildungsprozesse unter den gegenwärtigen Bedingungen des Erdsystems sollte eine Voraussetzung für jede groß angelegte Nutzung sein, da die Entnahme erhebliche Auswirkungen auf die Süß-/Salzwassergrenze haben könnte.
Die Feststellung, ob OFG-Körper isolierte fossile Reserven oder dynamisch mit Küstengrundwassersystemen verbunden sind, ist entscheidend für die Bewertung ihrer Erneuerbarkeit und damit ihrer nachhaltigen Bewirtschaftung.
Es müssen klare Leitlinien für die grenzüberschreitende Planung, Lizenzierung und Genehmigung festgelegt werden, die mit Rahmenwerken, wie dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS), dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) und dem Regionalen Meeresprogramm (RSP), in Einklang stehen. Die Integration der OFG-Forschung in die maritime Raumplanung (MSP), die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) der Europäischen Union ist von entscheidender Bedeutung, um Ressourcennutzung mit Umweltschutz und maritimen Aktivitäten in Einklang zu bringen. Darüber hinaus wird die Bewertung der sozioökonomischen Machbarkeit der OFG-Gewinnung im Vergleich mit konventionellen alternativen Süßwasserquellen wie Entsalzung und Abwasserwiederverwendung dazu beitragen, ihre Nutzbarkeit als Option für die Küstenwasserversorgung zu bestimmen.
1.1 Förderziel
Es ist daher geboten, grundlegende Wissenslücken im Zusammenhang mit OFG-Ressourcen zu schließen und sicherzustellen, dass die Forschungsbemühungen sowohl das wissenschaftliche Verständnis als auch praktische Ansätze zur möglichen nachhaltigen Nutzung voranbringen.
Mit dieser Förderrichtlinie will das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit Hilfe von Forschung, Entwicklung und Innovation wesentlich dazu beitragen, eine zukunftsweisende wissenschaftliche Bohrkampagne durchzuführen, die hydrogeologische und geochemische Charakterisierung mit Pumpversuchen verbindet. Damit sollen OFG-Systeme validiert und wichtige Daten über ihre Verteilung, Eigenschaften, Auffüllungsmechanismen und mögliche Nutzung als Ressource generiert werden.
Auf dieser Basis soll die vorliegende Förderrichtlinie die Grundlage für die potenzielle zukünftige strategische und nachhaltige Nutzung von OFG-Ressourcen schaffen. Die Förderrichtlinie will zentrale Wissenslücken hinsichtlich der folgenden Aspekte schließen:
- Beseitigung von Datenknappheit und -inkonsistenz: Generierung systematischer und umfassender Daten zu den Eigenschaften und Dynamiken von OFG.
- Umwelttechnische, technologische und wirtschaftliche Machbarkeit: Bewertung der Umweltauswirkungen und Beurteilung der technologischen und wirtschaftlichen Durchführbarkeit einer potenziellen OFG-Nutzung.
- Rechtliche und politische Rahmenbedingungen: Schaffung einer hinreichenden Informationsbasis für den Aufbau und mögliche Mitwirkung an der Entwicklung von Leitlinien und Rechtsrahmen zur Integration der Erforschung und Nutzung von OFG in bestehende Rechtssysteme.
Das BMFTR beabsichtigt, im Rahmen des Forschungsprogramms der Bundesregierung „MARE:N – Küsten-, Meeres- und Polarforschung für Nachhaltigkeit“ deutsche Partner innerhalb dieser europäischen JPIO-Förderinitiative zu fördern.
Die Förderrichtlinie soll zudem die Umsetzung der sieben Ziele der „United Nations (UN)-Dekade der Ozeanforschung für nachhaltige Entwicklung 2021 bis 2030“ ( https://www.oceandecade.org/vision-mission/) unterstützen. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sollten unterstützt werden, Regularien zu entwickeln, die den Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung des Meeresbodens ermöglichen, um die Vielfalt der marinen Lebensräume auch für kommende Generationen zu erhalten.
Die vollständige Bekanntmachung finden Sie hier:
https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Bekanntmachungen/DE/2026/01/2026-01-21-bekanntmachung-submarines-grundwasser.html