Deutsch-chinesisches Forscherteam untersucht Schadstoffbelastung am Perlflussdelta

Es sind rasant wachsende Megastädte und riesige Industriezentren, die in China entstehen – mit weitreichenden Folgen für die Umwelt in den Küstenregionen. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundprojektes MEGAPOL wird jetzt die Schadstoffbelastung im Mündungsgebiet des Perlflusses untersucht. Am 2. August startet von Singapur aus eine Expedition des Forschungsschiffs „Sonne“ ins Südchinesische Meer.

An rund 70 Stationen werden umfangreiche Proben entnommen, mit denen untersucht wird, wie sich zivilisatorische Rückstände im dortigen Schelfgebiet und bis verteilen. Außerdem werden die Auswirkungen der unterschiedlichen Klimabedingungen auf diese Prozesse erforscht. An der Schiffsexpedition SO269-SOCLIS unter Leitung der Forscherin Joanna Waniek vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) sind insgesamt 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und China beteiligt.

Hintergrund des Projekts: China hat insbesondere in den vergangenen Jahrzehnten die Industrie und Landwirtschaft im Einzugsgebiet großer Flusssysteme massiv ausgebaut. Dadurch gelangen Unmengen an Nährstoffen, Schadstoffen und anderen Substanzen wie Mikroplastik und Medikamentenrückständen ins Meer. Insbesondere die rasant wachsenden Megastädte bis zu 100 Millionen Einwohnern sowie Industriegebiete an Küsten und Flussmündungen sind nach Auffassung von Experten für diese Entwicklung verantwortlich.

Mit dem vom IOW Warnemünde koordinierten deutsch-chinesischen Verbundprojekt MEGAPOL („Megacity's fingerprint in Chinese marginal seas: Investigation of pollutant fingerprints and dispersal") werden die ökologischen Schattenseiten des schnellen Wachstums untersucht. Zentrale Fragen sind: Wie wirkt sich der hohe Siedlungsdruck und die zunehmende Industrialisierung auf die Schadstoffbelastung in den Küstenmeeren aus? Sind Veränderungen bereits erkennbar? Seht zu befürchten, dass Umweltschäden durch Klimaänderungen noch verstärkt werden?

„Unsere bisherigen Arbeiten legen nahe, dass vor allem zwei Substanzgruppen, organische und anorganische Schadstoffe sowie reaktiver Stickstoff aus Flüssen mit charakteristischer Isotopenzusammensetzung, geeignet sind, um als Marker die Transportwege anthropogener Verschmutzung von der Quelle bis zum Meer zu identifizieren und zu quantifizieren", erläutert Waniek. Der Fokus liege auf Schadstoffen wie PCB, DDT und PAH. Ebenso stehen Mikroplastik, Hormone, Antibiotika und Rückstände von Sonnencremes im Blickpunkt.

Zusammen mit den Ergebnissen der vorherigen Forschungsfahrten - schon im Herbst 2018 führte eine Expedition in die Region am Perlfluss - und den Erkenntnissen der chinesischen Partner sollen die jetzt erhobenen Daten dazu dienen, eine Entwicklung über einen Zeitraum von fünf Jahren nachzuzeichnen. An der rund einen Monat dauernden Forschungsfahrt SO269-SOCLIS sind neben dem IOW auch die Universitäten Hamburg und Köln, das Helmholtz-Zentrum Geesthacht Zentrum für Material- und Küstenforschung (HZG), die Shanghai Jiao Tong University und das Guangzhou Marine Geological Survey beteiligt.

Das Untersuchungsgebiet sei wie ein natürliches Labor, sagt Joanna Waniek. Dort werden nicht nur die für China relevanten Fragen erforscht - der Blick richtet sich auch auf andere Länder. Die Ergebnisse des Projekts MEGAPOL sollen letztendlich dabei helfen, das Management zur Entwicklung von Megastädten zu verbessern. Zudem soll die Politik wichtige Steuerungsinstrumente erhalten, mit denen die Nährstoff- und Schadstoffbelastung von Küstenmeeren verringert werden kann. Die deutsch-chinesische Forschungskooperation will darüber hinaus Technologien für eine hochmoderne Umweltüberwachung entwickeln.