Forschungsexpedition: Chemische Altmunition im Fokus

Wie wirken sich Munitionsaltlasten auf die Ostsee aus? Welche Technologien können zur Identifizierung helfen? Und welche Effekte haben die ersten Räumungen auf die Umwelt? Diesen Fragen geht das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel mit mehreren Forschungsausfahrten nach. Am heutigen 14. Oktober 2025 startet die zweite von drei geplanten Expeditionen mit der ALKOR in die südliche Ostsee. Besondere Schwerpunkte sind das Bornholm-Becken, wo verklappte chemische Munition kartiert wird, sowie ein Monitoring in der Lübecker Bucht. Die Forschungsarbeiten finden unter anderem im Rahmen des Projekts CONMAR statt, welches vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Rahmfahrt (BMFTR) im Rahmen der DAM-Forschungsmission sustainMare gefördert wird.

Mehr als 1,5 Millionen Tonnen Altmunition lagern am Boden von Nord und Ostsee. Nach mehr als 70 Jahren stellen diese Hinterlassenschaften aus zwei Weltkriegen immer noch eine Gefahr für die Menschen und die marine Umwelt dar. Denn die Metallhüllen korrodieren nach Jahrzehnten im Salzwasser und setzen dabei giftige Stoffe wie zum Beispiel TNT, Quecksilber oder Blei frei. Um die Belastung der Ostsee mit Altmunition besser zu erfassen, unternimmt das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel in den Jahren 2025 und 2026 mehrere Forschungsfahrten. 

Unterwassertechnologie wird weiterentwickelt

Während der 14-tägigen Expedition wollen die Forschenden in drei Einsatzgebieten – Polen und Bornholmbecken, Lübecker Bucht sowie Kleiner Belt – untersuchen, welche ökologischen Folgen alte Munitionsbestände haben, wie sich neue Technologien im Einsatz bewähren und welche Effekte die ersten Proberäumungen auf die Umwelt zeigen.

Dabei kommen autonome und ferngesteuerte Unterwasserroboter zum Einsatz, die akustisch den Meeresboden kartieren, hochauflösende Bilder und Videos liefern sowie Wasserproben nehmen können. An Bord können die Proben auf Sprengstoff-Rückstände wie TNT oder RDX untersucht werden. Ein Schwerpunkt der Fahrt liegt auf der Weiterentwicklung der Unterwasserfahrzeuge. Diese sollen künftig selbständig Objekte erkennen, klassifizieren und ihre Kartierungsstrategien in Echtzeit anpassen können.

Fokus auf chemischer Munition 

In der ersten Woche sind Beprobungen von polnischen Gewässern sowie des Bornholmbeckens geplant. Dort sind nach dem Krieg Chemiewaffen versenkt worden – wieviel davon noch auf dem Meeresboden liegt und in welchem Zustand die Kampfstoffe sind, ist bislang wenig untersucht. „Wir wollen für diese Gebiete die Datengrundlage verbessern und herausfinden, wie stark die Meeresumwelt tatsächlich belastet ist“, sagt Fahrtleiter Prof. Dr. Jens Greinert, Leiter der Arbeitsgruppe Deep Sea Monitoring am GEOMAR.

Monitoring der Pilotbergungen 

In der zweiten Woche konzentriert sich die Expedition auf die Lübecker Bucht, hier besonders auf den Bereich vor Boltenhagen. Dort ist im Sommer im Rahmen des deutschen Sofortprogramms verklappte Munition mithilfe von Tauchern geräumt worden. „Wir wollen uns angucken, wie es da unten jetzt aussieht“, sagt Greinert. Zum Ende der Fahrt geht es noch in dänische Gewässer im Kleinen Belt, wo ebenfalls größere Mengen chemischer Munition liegen, die bislang kaum systematisch untersucht wurden.

Risiken verstehen, Lösungen vorbereiten

Die Expeditionen unterstützen mehrere große Forschungsprojekte, darunter das Verbundprojekt CONMAR im Rahmen der DAM-Forschungsmission sustainMare Beteiligt sind Partnerinstitute aus Deutschland und Polen. Die Ergebnisse fließen in nationale und europäische Strategien zum Umgang mit Munitionsaltlasten ein.