FS POSEIDON startet zur 500. Expedition: Bremer Meeresforscher untersuchen Hangrutschungsgefahr vor Südfrankreich

Das am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel beheimatete Forschungsschiff POSEIDON startet diese Woche zu seiner 500. Expedition. Während der Jubiläumsfahrt untersuchen und kartieren Meeresgeologen des MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen den Kontinentalhang vor der südfranzösischen Hafenstadt Nizza. Ziel der Arbeiten ist es, die Gefahr von Hangrutschungen und letztendlich auch Tsunamis besser abschätzen zu können.

Am kommenden Mittwoch heißt es wieder einmal Leinen los für die POSEIDON. Von Catania auf Sizilien aus nimmt das 60 Meter lange Forschungsschiff Kurs auf die französische Mittelmeerküste. Ein Team unter Leitung von Prof. Dr. Achim Kopf vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen wird vor Nizza zwölf Tage lang den Meeresboden untersuchen, um Daten über die Gefahr von Hangrutschungen in der Region zu sammeln.

Gleichzeitig feiert die am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel beheimatete POSEIDON mit dieser Expedition ein außergewöhnliches Jubiläum: Es handelt sich um ihre 500. wissenschaftliche Ausfahrt. „Nach wie vor ist die POSEIDON eine unentbehrliche Arbeitsplattform der deutschen Meeresforschung“, sagt GEOMAR-Schiffskoordinator Dr. Klas Lackschewitz.

Gebaut wurde die POSEIDON von 1974 bis 1976 auf der Schichau Unterweser AG in Bremerhaven für das damalige Kieler Institut für Meereskunde (jetzt: GEOMAR). Das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT, jetzt: Bundesministerium für Bildung und Forschung) übernahm 90 Prozent der Investitionskosten, zehn Prozent trug das Land Schleswig-Holstein. Das Schiff verkörperte damals den neuesten Stand der Geräte- und Schiffbauentwicklung.

Zunächst war die POSEIDON vor allem für Einsätze in Nord- und Ostsee konzipiert. Zu Beginn der 1980er Jahre wurde sie aber für Forschungen im Tiefseebereich des Atlantiks umgerüstet. In der jüngeren Vergangenheit operierte das Schiff fast ausschließlich im Nordatlantik, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. Mittlerweile hat sie 360.000 Seemeilen (fast 670.000 Kilometer) im Dienst der Forschung zurückgelegt.

Für die wissenschaftlichen Arbeiten ist die POSEIDON mit einer Vielzahl von Kränen und Winden ausgerüstet. Zur Vermessung und Untersuchung des Meeresbodens verfügt sie über eine moderne Echolotanlage mit Sedimentlot. Insgesamt fünf Laborräume stehen den Wissenschaftlern an Bord zur Verfügung. „Über die Jahre wurde die Ausrüstung immer wieder modernisiert und an die neuesten technischen Entwicklungen angepasst“, erklärt Dr. Lackschewitz.

Die POSEIDON ist zwar in Kiel beheimatet, sie dient aber der gesamten deutschen Meeresforschung – wie auch bei der anstehenden Jubiläumsfahrt. Dabei werden die Bremer Meeresgeologen unter anderem das autonome Unterwasserfahrzeug (AUV) MARUM-SEAL für eine genaue Kartierung des Meeresbodens und Schwerelote für Probennahmen einsetzen. Zusätzlich werden sie ein bereits bestehendes Messnetz am Meeresboden warten und ergänzen.

„Vor Nizza trägt der Fluss Var nach Starkregen sowie nach der Schneeschmelze in den Alpen immer wieder große Wassermengen ins Mittelmeer, das zum Teil auch Nizza unterspült. Diese Wässer destabilisieren den Tiefseehang, der direkt vor der Küste steil bis in Tiefen von 2000 Metern abfällt“, erklärt der Fahrtleiter Achim Kopf. 1979 ist ein Teil des Hangs direkt vor Nizza abgerutscht und hat dabei einen lokalen Tsunami ausgelöst.

„Wir wollen die Dynamik hinter solchen Rutschungen besser verstehen, um die Risiken besser abschätzen zu können“, sagt der Bremer Geologe. Die Arbeiten dienen auch als Vorbereitung für eine internationale Bohrkampagne des International Ocean Discovery Program (IODP) und des International Continental Scientific Drilling Program (ICDP), die einen geologischen Schnitt von den südlichen Ausläufern der französischen Alpen bis zum ligurischen Kontinentalhang im Mittelmeer erbringen wird.

Doch auch wenn die POSEIDON im Moment noch ein verlässliches Arbeitspferd der deutschen Meeresforschung ist – das Ende ihrer Dienstzeit ist absehbar. „Sie wird dieses Jahr 40. Das ist für ein Schiff ein sehr hohes Alter. Im Rahmen der Erneuerung der deutschen Forschungsflotte wird es 2020 einen Nachfolgebau geben, der die POSEIDON und die ebenfalls 30 Jahre alte METEOR ersetzen wird“, sagt Dr. Lackschewitz.