Inbetriebnahme des Technikums: Carbon2Chem recycelt Hüttengase

thyssenkrupp hat heute im Beisein von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in Duisburg damit begonnen, den chemischen Grundstoff Methanol aus Hüttengasen herzustellen. Es ist weltweit das erste Mal, dass Gase aus der Stahlproduktion, einschließlich des darin enthaltenen CO2, auf diese Weise chemisch umgewandelt und somit ein zweites Mal genutzt werden. Es war die Premiere des Projekts Carbon2Chem. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt mit 60 Millionen Euro.
Minsiterin Karlizcek drückt gemeinsam mit Vertretern von thyssenkrupp auf einen Startknopf (BMBF / Hans-Joachim Rickel)
Carbon2Chem hat seinen Betrieb aufgenommen
Foto: BMBF / Hans-Joachim Rickel

Carbon2Chem ist ein von thyssenkrupp initiiertes Großprojekt mit 15 weiteren Partnern aus der Forschung und Industrie. Die Technologie kann, wenn sie großtechnisch umgesetzt ist, rund 10 Prozent der CO2-Emissionen der deutschen Stahlbranche wirtschaftlich verwerten. Sie ist auch in anderen CO2-intensiven Anlagen wie Zementfabriken und Müllverbrennungsanlagen einsetzbar.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, die heute gemeinsam mit Vertretern von thyssenkrupp die Anlage symbolisch in Betrieb nahm, sprach von einer Weltpremiere und betonte: „Wir haben mit diesem Schritt das Labor verlassen und wenden nun Forschung an." Karliczek versicherte außerdem, dass das Vorzeigeprojekt auch in Zukunft auf die Unterstützung des BMBF zählen könne. Guido Kerkhoff, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG erläuterte: „Heute bewährt sich zum ersten Mal das Carbon2Chem-Konzept in der Praxis. Unsere Vision von einer nahezu CO2-freien Stahlproduktion nimmt Gestalt an."

Ministerin Karliczek steht mit Vertretern von thyssenkrupp vor der Gasreinigung (BMBF / Hans-Joachim Rickel)
Bundesministerin Anja Karliczek mit Vertretern von thyssenkrupp vor der Anlage in Duisburg
Foto: BMBF / Hans-Joachim Rickel

Carbon2Chem basiert darauf, dass Hüttengase verschiedene chemische Elemente enthalten, darunter Kohlenstoff (Kohlenmonoxid und Kohlendioxid), Stickstoff und Wasserstoff. Damit eignen sich die Abgase aus dem Stahlwerk für die Produktion von kohlen- und wasserstoffhaltigem so genanntem Synthesegas. Aus diesem, Vorprodukt können unterschiedliche Chemikalien hergestellt werden: Ammoniak, Methanol, Polymere oder höhere Alkohole. Synthesegas gewinnt die Chemieindustrie bisher aus fossilen Energieträgern wie Erdgas oder Kohle. Carbon2Chem wandelt nicht nur das in den Stahlwerks-Abgasen enthaltene CO2 um, sondern spart auch das CO2 ein, das bisher beim Erzeugen von Synthesegas aus fossilen Kohlenstoffträgern entsteht.

Die erste Methanolproduktion fand heute offiziell im Carbon2Chem Technikum statt. Das Technikum ist eine Pilotanlage, in der die Forscher ihre Laborergebnisse mit realen Hüttengasen testen. Neben einer Gasreinigung und einer Wasserelektrolyse von thyssenkrupp umfasst das Technikum diverse Laborräume, die Carbon2Chem-Projektpartner bereits nutzen: Die Covestro AG wird in einem Labor die Produktion von Isocyanaten erforschen, aus denen man Kunststoff herstellen kann. Clariant hat den Katalysator für die Methanolherstellung und Chemikalien für die Gasreinigung geliefert. Die Fraunhofer-Gesellschaft wird drei Labore betreiben. Auch das Max-Planck Institut wird im Technikum aktiv werden. thyssenkrupp hat 33,8 Millionen Euro in das Technikum investiert. Hinzu kommen rund zehn Millionen Euro aus der Fördersumme des BMBF für Ausstattung und Nutzung.

An Carbon2Chem besteht hohes Interesse, auch außerhalb von Europa. Weltweit gibt es etwa 50 Stahlwerke, die für Carbon2Chem in Frage kommen. Außerdem führt thyssenkrupp bereits Gespräche mit Interessenten aus verschiedenen Regionen, wie die Technologie auch auf andere CO2-intensive Branchen übertragen werden kann. Carbon2Chem kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, das bei der UN-Klimakonferenz 2015 formulierte Ziel der Treibhausgasneutralität in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zu erreichen.