Mit Sharing nachhaltiger Wirtschaften – Projekt PeerSharing zeigt wie

Die Sharing Economy boomt. Neue Mietkonzepte, geteilte Autos, Tausch- und Verleihplattformen verändern die Wirtschaft. Warum noch kaufen, was man für wenig Geld leihen kann? Das Teilen von Gütern zwischen Privatpersonen kann helfen, Ressourcen einzusparen. Und es kann Menschen zusammenbringen. Bisher haben sich die ökologischen und sozialen Potenziale der Sharing Economy allerdings kaum entfaltet. Wie kann sich das ändern? Antworten geben Forscherinnen und Forscher des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts PeerSharing im Sammelband „Digitale Kultur des Teilens – Mit Sharing nachhaltiger Wirtschaften“.

Das Forschungsteam aus Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) gibt Praktikern sowie Entscheidern aus Wirtschafts- und Nachhaltigkeitspolitik konkrete Tipps. Die Wissenschaftler fordern neue politische und rechtliche Regelungen, um nachhaltige Geschäftsmodelle des Teilens zu fördern. Daneben sollten kommerziell erfolgreiche Sharing-Plattformen selbst ökologische und soziale Verantwortung übernehmen und sich an der Formulierung von Nachhaltigkeitsstandards aktiv beteiligen. Für die Forscher steht fest: Ihr Nachhaltigkeitspotenzial werden Sharing-Angebote erst dann entfalten, wenn sie mit einem tiefgreifenden Wandel des Konsumverhaltens einhergehen, damit künftig ein höheres Einkommen nicht mehr automatisch mit höherem Ressourcenverbrauch verbunden ist.

Sharing spart Geld, aber kaum Ressourcen: Schwache Ökobilanz des Teilens

Das Projekt PeerSharing hat die Motive, Einstellungen und Effekte des internetgestützten Teilens untersucht. Dabei kam heraus: Sharing spart Geld, aber kaum Ressourcen. So können Mitfahrgelegenheiten zwar potenziell dazu beitragen, dass weniger Autos gekauft werden und so Emissionen verringert werden. Tatsächlich aber wird ein Großteil der ökologischen Potenziale durch Mehrfahrten oder die Verlagerung des Verkehrs von der Schiene auf die Straße zunichtegemacht. „Wenn etwa Kleidungsstücke leichter verfügbar sind, wird mehr konsumiert. Sinkende Preise von Übernachtungen durch Apartment-Sharing können zu mehr Flugreisen und dadurch zu sogenannten Rebound-Effekten führen. Im Ergebnis fällt die Ökobilanz des Peer-to-Peer-Sharings daher nur leicht positiv aus“, so PeerSharing-Wissenschaftler Siegfried Behrendt vom IZT.

Finanzieller Nutzen steht für viele im Vordergrund

Wer Sharing-Angebote nutzt, interessiert sich bislang nur nachgeordnet für die Umweltwirkungen seines Handelns. Noch weniger geht es den Nutzerinnen und Anbietern beim Teilen um die neuen Möglichkeiten der Begegnung. Stattdessen steht für viele der eigene finanzielle Nutzen im Vordergrund: Geldsparen oder -hinzuverdienen sind die wichtigsten Motive – bis dahin, dass vormalige Freundschaftsdienste durch bezahlte Dienstleistungen abgelöst werden. So kann digitales Teilen auch zu negativen sozialen Effekten führen. „In vielen Städten trägt das Apartment-Sharing dazu bei, dass der Wohnraum knapp wird, weil Touristen mehr Einnahmen bringen als eine reguläre Vermietung“, so Projektmitarbeiter Jonas Pentzien vom IÖW. „Von den Möglichkeiten, Wohnraum übers Internet zu teilen, profitieren daher bislang vor allem die Eigentümer.“

 

Über das Projekt
Das Projekt „PeerSharing – Internetgestützte Geschäftsmodelle für gemeinschaftlichen Konsum als Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften“ beschäftigte sich mit innovativen Onlineplattformen, die den Verleih, Kauf oder Tausch von Produkten und Dienstleistungen von Privat zu Privat vermitteln. Das Projektteam untersuchte, wie onlinebasiertes Teilen von Privat zu Privat ökologisch wirkt und was Verbraucher motiviert oder hindert mitzumachen. Es wurde im Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gemeinsam mit dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) durchgeführt.
www.peer-sharing.de

Originalpublikation
Behrendt, Siegfried; Henseling, Christine; Scholl, Gerd (Hrsg.) (2018): Digitale Kultur des Teilens. Mit Sharing nachhaltiger Wirtschaften, Springer Gabler, ISBN 978-3-658-21435-7.