Richtlinie zur Förderung von Projekten zum Thema „Küste im Wandel – Auswirkungen des steigenden Meeresspiegels auf deutsche Küstengebiete“

Küstenmeere sind Bindeglieder zwischen Land und Ozean. Die vielgestaltigen Küstenlinien mit Steilküsten, Dünenlandschaften, Sandstränden und Watten bilden zusammen mit dem Küstenmeer einzigartige Ökosysteme. Sie sind Hotspots der Biodiversität, Zentren der Ressourcengewinnung und liefern verschiedenste Ökosystemleistungen. Gleichzeitig prägen menschliche Einflüsse die Küstenzonen in hohem Maße, da sie als Siedlungs-, Erholungs- und Wirtschaftsräume eine enorme Bedeutung haben.

1 Förderziel, Zuwendungszweck, Rechtsgrundlage

Küstengebiete stehen durch vielfältige Auswirkungen des Klimawandels unter Druck, insbesondere durch den Meeresspiegelanstieg. Dadurch verstärken sich zum einen Extremwetterereignisse und Sturmfluten. Zum anderen verändern sich die Entwässerung küstennaher Niederungsgebiete und die hydro- und morphodynamischen Bedingungen im Küstenvorfeld. All dies stellt den Küstenschutz vor enorme Herausforderungen.

Aber auch die mögliche Versalzung von Böden und Grundwasser, veränderte Sauerstoff- und Salinitätsbedingungen und deren Folgen für biogeochemische Prozesse sowie die potentielle Verstärkung der Eutrophierung beziehungsweise die Zunahme von Schadstoffeinträgen können in den nächsten Jahrzehnten zu gravierendenden Änderungen in den Küstenökosystemen führen. Dies wird auch Konsequenzen für die Lebens- und Wirtschaftsbedingungen der lokalen Küstengemeinschaften haben.

Mit dieser Förderrichtlinie möchte das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die Wissensbasis zu den langfristigen Auswirkungen des Klimawandels auf deutsche Küstengebiete erhöhen und Entscheidungsträgern die notwendigen Werkzeuge zur Entwicklung adaptiver Anpassungsstrategien und zur Stärkung der Resilienz von Küstengebieten an die Hand geben.

Diese Förderrichtlinie erfolgt im Rahmen der Hightech Agenda Deutschland, der Strategie zur Forschung für Nachhaltigkeit (FONA) sowie des Forschungsprogramms der Bundesregierung „MARE:N – Küsten-, Meeres- und Polarforschung für Nachhaltigkeit“.

1.1 Förderziel

Auf Basis gesicherter Prognosen sollen wissenschaftsbasierte Handlungsempfehlungen zur Minimierung der Folgen des Meeresspiegelanstiegs sowie zum Erhalt der natürlichen Lebensräume für nachfolgende Generationen erarbeitet werden. Die Ergebnisse der Forschung sollen Bund und Länder bei ihren langfristigen Aufgaben im Küstenschutz, im Küstenmanagement sowie im Natur- und Umweltschutz gezielt unterstützen.

Die Forschung soll dazu beitragen, die notwendige Anpassung und Transformation der Küstenregionen ressourcen- und klimaschonend zu gestalten. Daher soll die Forschung die Kompetenzen im Bereich des natürlichen Küsten­schutzes stärken und den Erhalt und Schutz küstennaher Ökosysteme an den deutschen Küsten fördern.

Angesichts der heute noch bestehenden Unsicherheiten in der Prognose der spezifischen lokalen und regionalen Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs soll die Forschung dazu beitragen, die Prognoseunsicherheiten auf lokaler Ebene zu minimieren und dadurch die Voraussetzungen für adaptive Anpassungsstrategien im Küsten- und Öko­systemschutz zu verbessern.

Die Forschung soll die wissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen zur Entwicklung resilienter Küsten­regionen in Nord- und Ostsee schaffen. Dafür sind gesicherte Datengrundlagen sowie die Entwicklung leistungs­starker Modelle und der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Analyse der Wirkzusammenhänge unabdingbar, um die zukünftige Entwicklung der komplexen sozioökologischen Küstensysteme zuverlässig abbilden zu können.

Mit der Förderung verfolgt das BMFTR das Ziel, das Verständnis für die Wirkzusammenhänge von Klimaänderungen und Auswirkungen auf Systemebene zu verbessern. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen dabei unterstützen, geeignete Maßnahmen zum Schutz und zum gezielten Management der Küstengebiete abzuleiten. Die Förderung soll somit zur Erreichung der Entwicklungsziele im Bereich der Biodiversitätsstrategie der Europäischen Union (EU), der Baltic Marine Environment Protection Commission (HELCOM-Science-Agenda 2024), der europäischen Meeres­strategie und der europäischen Wasserrahmenrichtlinie in den deutschen Küstengewässern unterstützen sowie zu den Nachhaltigkeitszielen der United Nations (13 und 14) beitragen.

Die Förderrichtlinie soll zudem gemäß den Zielen der United Nations (UN)-Dekade der „Ozeanforschung für nachhaltige Entwicklung 2021 bis 2030“ Handlungswissen erarbeiten, das politische und gesellschaftliche Transforma­tionsprozesse unterstützt, die Resilienz der Küstenregionen erhöht und die Vielfalt der Küstenlebensräume sichert.