Über 130 Expeditionen im Fokus: Größte Konferenz für Forschungsschiffe startet in Kiel

Deutsche Forschungsschiffe sind ständig auf den Ozeanen und Randmeeren unterwegs. Die auf den Expeditionen gesammelten Daten sind für das Verständnis globaler Veränderungen unerlässlich – wie den Klimawandel, die marine Biodiversität sowie geologische Ereignisse am Meeresboden. Welche wissenschaftlichen Ergebnisse die jüngsten Expeditionen erbracht haben, steht im Mittelpunkt der Statuskonferenz Forschungsschiffe 2026 in Kiel. Die Veranstaltung wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unterstützt.

Die Bilder des Tauchroboters ROV Kiel 6000 erstaunten selbst erfahrene Meeresgeologen. Im Dunkel des Ozeans vor der Küste Papua-Neuguineas stießen sie auf das „Karambusel“-Feld, an dem heiße Quellen und Methanaustritte unmittelbar nebeneinander vorkommen. Dieser besondere Typ eines Hydrothermalfelds wurde weltweit erstmals entdeckt – ein geologisch bedeutsamer Fund, der auch neue Einblicke in die Entwicklung von Leben in der Tiefsee gewährt. Denn die Felsen sind von dichten Feldern aus Muscheln, Röhrenwürmern oder Seegurken überzogen. Solche Momente zeigen, warum Forschungsschiffe unverzichtbar sind: Sie fördern immer neue Rätsel der Meere zutage.

Die Expedition ist nur ein Beispiel für mehr als 130 Expeditionen und ihre spannenden Ergebnisse, die auf der Statuskonferenz Forschungsschiffe in Kiel vorgetragen werden. So geht es unter anderem auch um die reiche Artenvielfalt im Nordpazifik, dem Tor zur Arktis, um Munitionsaltlasten in Nordsee und Ostsee, um die Ausbreitung von Vibrionen in der Ostsee, um Naturgefahren am Krakatau oder um wandernde Eisschilde in der Antarktis.

Die Konferenz bringt rund 260 Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Reedereien, Förderorganisationen und Politik zusammen. Sie wird alle zwei Jahre von einer meereswissenschaftlichen Einrichtung mit Unterstützung der Geschäftsstelle des Begutachtungspanels Forschungsschiffe (GPF) und des Projektträgers Jülich im Auftrag des BMFTR ausgerichtet. Am 4. und 5. März 2026 findet am GEOMAR Kiel die bislang größte Konferenz zu Forschungsschiffen und Schiffstechnologien in Deutschland statt.

„Von den Küsten der Ost- und Nordsee aus erkunden unsere deutschen Forschungsschiffe die Ozeane, liefern Erkenntnisse und Daten, die weltweit Entscheidungen für den Schutz unserer Meere prägen“, sagt Guido Wendt, Staatssekretär im Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein. „Schleswig-Holstein ist dabei ein Knotenpunkt – hier entstehen Innovationen, Kooperationen und Lösungen für globale Herausforderungen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit. Was in Kiel beginnt, wirkt global“, so Wendt weiter.

Die parallel stattfindenden Fachsessions decken ein breites wissenschaftliches Spektrum ab – von der Meeresbiologie, Ozeanographie und Biogeochemie über Geologie und Geophysik bis hin zu Glaziologie und Meteorologie. Zusätzlich stehen Neubauten von Forschungsschiffen – die METEOR IV und POLARSTERN II – im Fokus. Ergänzt wird das Programm durch Vorträge der geplanten internationalen Forschungsmissionen Antarctica InSync und FUTURO. Zudem werden erstmals praxisnahe Sessions in das Programm integriert, in denen herausragende Transferleistungen & Innovationen, die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Crew auf See, die gemeinsame Nutzung von Forschungsinfrastrukturen und internationale Kooperationen bei Forschungsschiffen diskutiert werden.

„Forschungsschiffe sind für unsere Arbeit unverzichtbar. Deshalb freue ich mich schon sehr darauf, dass wir bald die neue METEOR IV betreiben und sie gezielt im Rahmen des Forschungsprogramms FUTURO ein Jahr lang vor der Küste Westafrikas einsetzen können. Das ist ein bedeutsames Beispiel dafür, wie Forschungsschiffe helfen, Datenlücken zu schließen und die Grundlage für fundierte Entscheidungen für die Nutzung und den Schutz des Ozeans zu schaffen“, sagt Prof. Dr. Katja Matthes, Direktorin des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel.

An den präsentierten Expeditionen mit den sieben größten deutschen Forschungsschiffen – ALKOR, ELISABETH MANN BORGESE, HEINCKE, METEOR, MARIA S. MERIAN, POLARSTERN und SONNE – sind interdisziplinäre und zumeist internationale Forscherteams beteiligt. Durch jahrzehntelange Investitionen des Bundesforschungsministeriums, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der norddeutschen Bundesländer zählt die Forschungsflotte zu den modernsten weltweit. Beheimatet sind die Forschungsschiffe in den Forschungseinrichtungen der norddeutschen Küstenländer.

Die Statuskonferenz ist zugleich ein zentraler Bestandteil des Verfahrens zur Vergabe von Schiffszeit auf den deutschen Forschungsschiffen: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler reichen Fahrtvorschläge ein, die vom Begutachtungspanel Forschungsschiffe wissenschaftlich geprüft werden. Nach Abschluss der Expedition dokumentieren die Forschenden ihre erhobenen Daten und gesammelten Proben in einem Fahrtbericht.