01.07.2022 31.12.2026
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DAM-Forschungsmission mareXtreme: Risiken mariner Extremereignisse besser verstehen

Sturmfluten, Hochwasser, Hitzewellen, gefährliche Bakterien im Meer sowie durch Erdbeben ausgelöste Tsunamis können Küstenräume stark belasten. Mit dem Klimawandel nehmen Risiken für diese Naturgefahren vielfach weiter zu. Die DAM-Forschungsmission mareXtreme untersucht, wie sich solche Ereignisse und ihre Wechselwirkungen für Ökosysteme, Infrastrukturen und Küstengesellschaften besser verstehen, vorhersagen und bewältigen lassen.

Handlungswissen in Zeiten wachsender Risiken

Küstengebiete und ihre Bewohner sind weltweit einer wachsenden Zahl mariner Naturgefahren ausgesetzt. Zwei Beispiele: So hatte eine Sturmflut im Oktober 2023 an der Ostseeküste insbesondere in Schleswig-Holstein enorme Schäden verursacht – nach Schätzungen mehr als 200 Millionen Euro. Zudem begünstigt der Klimawandel und die damit verbundenen steigenden Wassertemperaturen die Ausbreitung von Vibrionen in Nordsee und Ostsee, die schwere Infektionen auslösen können. Marine Naturgefahren sind aber auch mit Rückkopplungseffekten verbunden: Besonders kritisch wird es dort, wo mehrere Extreme gleichzeitig auftreten und sich ihre Wirkungen gegenseitig verstärken.

Die Forschungsmission mareXtreme der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) nimmt genau diese Wechselwirkungen in den Blick. In dieser Mission arbeiten rund 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 29 Forschungseinrichtungen zusammen. Die Verbundprojekte in der ersten Phase von 1. Januar 2024 bis 31. Dezember 2026 und wird vom Bund gemeinsam mit den norddeutschen Ländern mit rund 20 Millionen Euro gefördert. Ziel der Mission ist es, die Resilienz von Küstenregionen zu stärken und wissenschaftsbasierte Entscheidungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu unterstützen.

Forschung für Vorsorge, Frühwarnung und Anpassung

Im Mittelpunkt von mareXtreme stehen neue Beobachtungs- und Auswertungsansätze, leistungsfähigere Modelle sowie innovative Beiträge zu Frühwarnsystemen. Künftig sollen Wahrscheinlichkeiten, Intensitäten und Folgen mariner Extremereignisse in unterschiedlichen Szenarien besser abgeschätzt werden können. Gleichzeitig entwickelt die Mission gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft praxistaugliche Ansätze für den Schutz und das Risikomanagement der Küstenregionen.

Wie in den anderen DAM-Forschungsmissionen ist auch mareXtreme inter- und transdisziplinär ausgerichtet. Forschende stimmen sich eng mit Stakeholderinnen und Stakeholder aus Behörden, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft ab, damit wissenschaftliche Erkenntnisse frühzeitig in praxisnahe Lösungen transferiert werden können. Eine wichtige Rolle spielen dabei missionsübergreifende Querschnittsthemen wie Partizipation und Reallabore, ein generisches Konzept für Frühwarnsysteme sowie die gemeinsame Betrachtung mariner Extreme und ihrer Folgen.

Die Verbundprojekte von mareXtreme:

ElbeXtreme untersucht, wie physikalisch-ozeanografische Extremereignisse die Ökosysteme und Ökosystemleistungen im Elbe-Ästuar und in der Deutschen Bucht verändern. Dafür werden bestehende Messnetze mit neuen Beobachtungsstrategien, Modellierung, maschinellem Lernen und einem digitalen Zwilling der Elbe verknüpft. Ziel ist es, Risiken für Naturraum und Küstengesellschaft besser zu bewerten.

METAscales erforscht zukünftige physikalisch-ozeanografische Extremszenarien an den deutschen Küsten. Das Projekt entwickelt mehrschichtige Modellansätze, um mögliche Schäden und Verluste besser zu erfassen und Strategien für Anpassung und Katastrophenvorsorge zu verbessern. Reallabore mit Küstengemeinden und Behörden sorgen dafür, dass die Ergebnisse praxisnah weiterentwickelt und erprobt werden können.

MULTI-MAREX richtet den Blick auf geomarine Extremereignisse im Mittelmeerraum, insbesondere in der Ägäis. Untersucht werden unter anderem Seebeben, Vulkanismus und dadurch ausgelöste Tsunamis sowie ihre möglichen Wechselwirkungen. Gemeinsam mit Behörden, Bevölkerung und weiteren Akteuren sollen bessere Vorhersagemöglichkeiten, lokale Vorsorgeansätze und Beiträge zu wirksamer Frühwarnung entstehen.

PrimePrevention befasst sich mit biologischen Gefahren aus dem Meer, etwa mit Blaualgenblüten, Vibrio-Bakterien und sauerstoffarmen Meeresgebieten. Das Projekt entwickelt neue Ansätze, um solche Risiken früher zu erkennen und ihre möglichen Folgen besser einzuschätzen. Die Ergebnisse sollen unter anderem für Überwachungs- und Bewertungsstrategien in Tourismus, Fischerei und in Behörden nutzbar gemacht werden.

Mit mareXtreme stärkt die Deutsche Allianz Meeresforschung die wissenschaftlichen Grundlagen für einen vorausschauenden Umgang mit marinen Extremereignissen und Naturgefahren. Die Mission verbindet Forschung, Transfer und gesellschaftliche Beteiligung, um Küstenregionen widerstandsfähiger zu machen und neue Strategien zur Vorsorge und Anpassung an die Folgen des Klimawandels besser zu unterstützen.

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