Chancen für die Klimaanpassung: KAHR 2.0 - Strategien für den klimaresilienten Wieder- und Neuaufbau nach Flutkatastrophen
Extremwetterereignisse verursachen immer häufiger Katastrophen, wie die Überflutung des Ahrtals 2021. Der Wieder- und Neuaufbau betroffener Regionen muss klimaresilient gestaltet sein. Das BMFTR-Projekt KAHR 2.0 setzt die Unterstützung durch wissenschaftliche Beratung fort.
Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Jahr 2021, das Hochwasser in Mittel- und Norddeutschland von 2023/2024, die Hochwasser in Süddeutschland und Spanien 2024 – alle diese Ereignisse zeigen: Überschwemmungen durch Extremniederschläge nehmen in Deutschland wie auch in Europa in zeitlich geringeren Abständen zu. Sogenannte „Jahrhundertereignisse“ treten als Folge des Klimawandels häufiger und intensiver auf.
Allein in Deutschland gibt es über 30 Mittelgebirgsregionen, die von ähnlichen Gefahren betroffen sein könnten. Doch wie sind Bevölkerung und Infrastrukturen besser vor solchen Hochwasserrisiken zu schützen? Was muss anders gemacht werden als bisher?
Wie Forschung den klimaresilienten Wieder- und Neuaufbau unterstützt
Unmittelbar nach der Flutkatastrophe 2021 hatte das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR, damals BMBF) das interdisziplinäre Forschungsprojekt KAHR (Klima-Anpassung, Hochwasser und Resilienz) als Sofortmaßnahme initiiert und bis 2025 gefördert.
KAHR lieferte für den Wieder- und Neuaufbau neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel und zur Klimaanpassung, erforschte die Ursachen der Flutkatastrophe und Schadensmuster systematisch, überarbeitete Hochwasser-Risikokarten und hat Empfehlungen für Hochwasserschutzmaßnahmen und bessere Schutzstandards für Siedlungen und Infrastrukturen entwickelt (10-KAHR Empfehlungen). So konnte KAHR bereits wichtige Impulse für einen nachhaltigen und resilienten Wieder- und Neuaufbau beispielsweise der Ahrbrücken setzen.
Die Forschungsschwerpunkte von KAHR 2.0
Die von der Flut im Jahr 2021 betroffenen Regionen stehen weiterhin vor großen Herausforderungen. Wichtige Infrastrukturen wie Brücken, Schienen oder Kläranlagen sind oft noch in der Planung. Auch der zukünftige Hochwasserschutz befindet sich noch in einer frühen Definitionsphase. Daher bedarf es weiterer Forschung zum Beispiel zu der Frage, wie ein schneller und gleichzeitig klimaresilienter Wieder- und Neuaufbau mit integriertem Hochwasserschutz in die Praxis umgesetzt werden kann.
Die im April 2026 gestartete zweite Förderphase KAHR 2.0 knüpft direkt an die Ergebnisse der ersten Phase an: Ziel von KAHR 2.0 ist es, den betroffenen Kommunen weiterhin wissenschaftliche Expertise bereitzustellen. Damit lassen sich Wiederaufbau‑Maßnahmen mit Lösungen zur Klimaanpassung, zum Hochwasserschutz und einer vorausschauenden Raumplanung verbinden, die Klimarisiken frühzeitig berücksichtigt. Neu in KAHR 2.0 ist auch ein Begleitkreis aus ausgewählten Bundes- und Landesministerien, die Befunde und Empfehlungen des Projekts diskutieren und die Forschungsaktivitäten begleiten.
Ein wichtiger inhaltlicher Schwerpunkt ist der Schutz sogenannter kritischer Infrastrukturen – wie beispielsweise von Krankenhäusern, Feuerwehrstationen oder Elektrizitätswerken. Diese Strukturen sind besonders relevant, weil ihr Ausfall oft massive negative Folgen („Kaskadeneffekte“) in weiteren Bereichen nach sich zieht. Darüber hinaus gilt es aber auch, sensible Infrastrukturen, wie Schulen und Pflegeheime, zu schützen. Für all diese Infrastrukturen müssen passgenaue, neue Schutzstandards und -ziele definiert und in die Praxis umgesetzt werden.
In den kommenden drei Jahren untersuchen die Projektpartner zur Hochwasservorsorge sowohl technische Maßnahmen (zum Beispiel Wasserrückhaltebecken) als auch natürliche Lösungen (etwa Auen, Waldböden und Retentionsflächen) sowie die Akzeptanz einzelner Maßnahmen.
Bei der Begleitung des Wieder- und Neuaufbaus wird aufgezeigt, wie sich gesetzliche Änderungen im Baurecht und der Bundesraumordnungsplan auf den Hochwasserschutz vor Ort auswirken können. Die Forschenden von KAHR 2.0 analysieren hier Hemmnisse, die einem klimaresilienten und zügigen Wieder- und Neuaufbau noch im Weg stehen, und beraten Wiederaufbauprojekte, die aktuell in die konkrete Planung und Umsetzung übergehen. Zudem geht es darum, dass das Forschungsprojekt systematisch Best-Practices für einen klimaresilienten Wieder- und Neuaufbau identifiziert und für andere Regionen aufbereitet und zur Verfügung stellt.
Enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis – nationaler und europäischer Erfahrungsaustausch
Auch in KAHR 2.0 wird ein intensiver Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft gefördert. Dies geschieht unter anderem durch Wissenschafts-Praxis-Dialoge, die bereits in der ersten Förderphase eine große Reichweite und starke Außenwirkung erzielt haben.
Ein weiteres zentrales und verstärktes Ziel von KAHR 2.0 ist nun der Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer mit nationalen und europäischen Akteuren, beispielsweise aus Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg sowie mit Belgien, Spanien und Italien, und anderen BMFTR-Forschungsprojekten.
Das BMFTR fördert die neun Verbundpartner von KAHR 2.0 in den kommenden drei Jahren mit 3,5 Millionen Euro.
Für die Umsetzung der Projektziele wurde ein transdisziplinäres Projektteam zusammengestellt. Zu den Projektpartnern gehören:
- Hochschule Koblenz, bauen-kunst-werkstoffe Bauingenieurwesen, Prof. Dr. Lothar Kirschbauer
- Landkreis Ahrweiler, Abteilung Strukturentwicklung, Anja Toenneßen
- Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), Prof. Dr. iur. Juliane Albrecht
- Universität Stuttgart, Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS), Prof. Dr.-Ing. Jörn Birkmann (Projektsprecher)
- Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Department Stadt- und Umweltsoziologie, Prof. Dr. Christian Kuhlicke
- Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum – GFZ, Sektion Hydrologie, Prof. Dr. Bruno Merz sowie das Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ, Dr. Pia-Johanna Schweizer
- RWTH Aachen, Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft, Prof. Dr.-Ing. Holger Schüttrumpf (Projektsprecher)
- Technische Universität Dortmund, Lehrstuhl Regionalentwicklung und Risikomanagement (RER), Prof. Dr.-Ing. Stefan Greiving
- Wasserverband Eifel-Rur, Susanne Kozerke
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