Querschnittsthema Europäische und Internationale Zusammenarbeit

Klimawandel, Ressourcenknappheit, Artenverlust und Meeresmüll sowie Wirtschafts-, Ernährungs- und Gesund heitskrisen wie die Covid-19-Pandemie sind globale Herausforderungen, die miteinander verwoben sind und die kein Land allein bewältigen kann. Wenn wir unseren Planeten schützen und nachfolgenden Generationen ein gutes Leben ermöglichen wollen, müssen wir mit Partnern weltweit zusammenarbeiten. Erst durch internationalen Wissenstransfer und länderübergreifende Kooperationen entstehen Synergien, die wir wechselseitig nutzen können, um größtmögliche Hebelwirkung zu entfalten.

Das schließt sowohl den öffentlichen als auch den privaten Sektor ein. Wir setzen auf wissenschaftsgetriebene Technologieentwicklung, um wirtschaftlichen Fortschritt, ökologische Verträglichkeit und soziale Gerechtigkeit in Einklang zu bringen. „GreenTech made in Germany“ definiert schon heute neue Standards und genießt international ein hohes Ansehen. Das damit verbundene wirtschaftliche Potenzial wollen wir beim weltweiten Klima- und Umweltschutz durch den Ausbau internationaler Wissenschafts-Wirtschafts-Kooperationen stärker fördern.

FONA ist seit Beginn international ausgerichtet und baut auf einer Reihe erfolgreicher Kooperationen und Partnerschaften auf. In den letzten fünf Jahren haben wir über 400 Millionen Euro in Projekte mit außereuropäischen Partnern investiert. Das entspricht in etwa der Hälfte aller internationalen Aktivitäten des Bundesforschungsministeriums. Von den FONA-geförderten Vorhaben haben rund 27 Prozent einen internationalen Bezug; rund 13 Prozent sind Projekte mit mindestens einem europäischen Partner. Für die nächsten Jahre haben wir drei Ziele noch stärker im Fokus: 1. wirksame Koordinierung in Europa und weltweit, 2. enge Einbindung der Akteure vor Ort, 3. bedarfsorientierte Kooperationen, die einen Mehr- wert für die lokale Bevölkerung haben.

Die Zusammenarbeit in Europa stärken

In der EU wurde eigens für die mitgliedsstaatenübergreifende Forschungszusammenarbeit, die gemeinsame Programmplanung und die Nutzung großer Infrastrukturen der Europäische Forschungsraum geschaffen. Er steht für den freien Zugang und Austausch von Wissen – und für Kooperation zur Bewältigung gemeinsamer Probleme. Das wichtigste Instrument zur Festlegung gemeinsamer Ziele und Prioritäten sowie zur Koordinierung einzelstaatlicher forschungspolitischer Strategien sind die mehrjährigen EU-Rahmenprogramme für Forschung und Innovation.

European Green Deal: durch innovative Nachhaltigkeitsforschung zu einer klimafreundlichen und ressourceneffizienten Wirtschaft

Im Dezember 2019 hat die EU-Kommission mit ihrem „European Green Deal“ einen Fahrplan für klimafreundliches und ressourceneffizientes Wirtschaften in Europa vorgestellt. Dieser beinhaltet, bis 2050 keine Netto-Treibhausgasemission mehr freizusetzen und das Wirtschaftswachstum von der Ressourcennutzung zu entkoppeln. Zum Green Deal gehören unter anderem auch die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 und die Strategie „Farm to Fork“. Beide stehen für ein neues, harmonisches Zusammenspiel von Landwirtschaft, Artenvielfalt und Nachhaltigkeit. Ohne Innovation sind die ambitionierten Ziele des Green Deals nicht zu erreichen. Auf europäischer Ebene ist „Horizont Europa“ das wichtigste forschungspolitische Instrument zur Umsetzung des Green Deals. Auch FONA hat starke Bezüge zu den Maßnahmenfeldern des Green Deals. Wir werden vor allem mit unseren Aktionen zu Grünem Wasserstoff, Bioökonomie, Kreislaufwirtschaft, Erhalt der Artenvielfalt, Klimaanpassung sowie zu nachhaltiger Finanzierung zur Umsetzung des Green Deals beitragen.

„Horizont Europa“ – EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation

Europa ist aus FONA nicht wegzudenken. Denn die gesamte FONA-Forschung kann auf europäischer Ebene weitergeführt und ausgebaut werden. Wichtiger noch: Das Leitbild von einem Europäischen Forschungsraum, der gesellschaftliche Belange stärker in den Blick nimmt und Lösungen zum Wohle der Menschen in Europa entwickelt, deckt sich mit dem, was uns antreibt. Im neunten EU-Forschungsrahmenprogramm „Horizont Europa“ (2021–2027) ist – in Anlehnung an seinen Vorgänger „Horizont 2020“ – der Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft und Wirtschaft ein eigener Programmbereich („Globale Herausforderungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas“) gewidmet und mit gut der Hälfte des Gesamtbudgets ausgestattet. Mit FONA knüpfen wir an drei von insgesamt sechs Themenclustern dieses Programmbereichs an: „Digitalisierung, Industrie und Weltraum“ (Cluster 4), „Klima, Energie und Mobilität“ (Cluster 5) und „Lebensmittel, Bioökonomie, natürliche Ressourcen, Landwirtschaft und Umwelt“ (Cluster 6). Über die fachlichen Programmausschüsse wirken wir direkt an der Ausgestaltung und Themensetzung für die Arbeitsprogramme von Cluster 5 und 6 mit.

„Horizont Europa“ verfolgt einen missionsorientierten Ansatz. Er dient dazu, Forschungsfragen übergreifend zu bearbeiten, sodass die Bevölkerung Europas unmittelbar von wissenschaftlichen Erkenntnissen profitiert. Vier der fünf Missionsbereiche adressieren Nachhaltigkeit und Zukunftsvorsorge und damit auch die Themen von FONA: Es geht um die Anpassung an den Klimawandel, klimaneutrale und intelligente Städte, gesunde Ozeane, Meere, Küsten- und Binnengewässer sowie Bodengesundheit und Ernährung. Über die Ziele und Inhalte der Missionen beraten wir gemeinsam mit europäischen Partnern aus Forschung und Praxis – und tragen mit unseren nationalen Förderaktivitäten zu deren Umsetzung bei.

Bei der Umsetzung der Missionen spielen strategische Kooperationen eine wichtige Rolle – beispielsweise Initiativen, in denen sich EU-Mitgliedsstaaten zur gemein- samen Forschungsprogrammplanung zusammengeschlossen haben. Diese „Joint Programming Initiatives“ (JPIs) haben sich in den letzten Jahren für FONA als besonders flexibles Instrument zur fachlichen Abstimmung und Zusammenarbeit auf EU-Ebene erwiesen. Unter „Horizont Europa“ werden wir die Weiterentwicklung dieser europäischen Partnerschaftslandschaft hin zu mehr Kohärenz nutzen, um uns stärker mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu vernetzen. Damit beabsichtigen wir, gemeinsame Förderaktivitäten zu entwickeln, Akteure aus dem öffentlichen und privaten Sektor für die EU-Verbundforschung zu mobilisieren und den Transfer in die Praxis zu stärken.

International vernetzt und weltweit engagiert für die SDGs

Die Ziele der Agenda 2030 bilden die Grundlage einer neuen globalen Partnerschaft, in der Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft verantwortlich sind. Die SDGs umzusetzen bedeutet, Pfadabhängigkeiten zu erkennen, Synergieeffekte zu nutzen und Zielkonflikte zu lösen. Wir sind daher auf länder-, sektor- und institutionsübergreifende Entwicklungsstrategien und Kooperationen angewiesen, um die Nachhaltigkeitsziele rechtzeitig zu erreichen.

Nachhaltige Entwicklung braucht Kooperationen weltweit

Die Umsetzung der Agenda 2030 geht über Ländergrenzen hinaus und ist nicht allein auf nationaler Ebene verhandel- bar. Dafür müssen wir globale Governancestrukturen weiter aktiv unterstützen. Deutschland ist eines der forschungs- und innovationsstärksten Länder der Welt. Wir werden weiterhin System- und Handlungswissen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bereitstellen und für den dringend benötigten Fortschritt in internationalen Nachhaltigkeits- und Klimaprozessen nutzbar machen. Hierzu kooperieren wir mit zwischenstaatlichen Gremien zur wissenschaftlichen Politikberatung der Vereinten Nationen wie dem Weltklimarat und dem Weltbiodiversitätsrat sowie dem High-level Political Forum on Sustainable Development (HLPF), das seit 2013 die UN-Nachhaltigkeitskommission ersetzt. Weitere für uns relevante Foren für länderübergreifende Koordination und Zusammenarbeit sind die G-7- und G-20-Staaten sowie die OECD.

Wir wählen unsere Kooperationsschwerpunkte so, dass sie bedarfsorientiert und von gegenseitigem Interesse sind. Dadurch fließt Know-how in beide Richtungen und Wertschöpfung sowie Beschäftigung vor Ort werden gestärkt. Der afrikanische Kontinent spielt hierbei für uns eine Schlüsselrolle, steht aber gleichzeitig exemplarisch für die Herausforderungen vieler Staaten in Schwellen- und Entwicklungsländern. So engagieren wir uns auch in Südostasien (insbesondere in der Klima- forschung), in Latein- und Südamerika (Bioökonomie, Atmosphärenforschung, nachhaltige Urbanisierung) sowie im Nahen und Mittleren Osten (Wassertechnologiekooperationen).

Internationale Partnerschaften erschließen weltweite Marktpotenziale

Das Know-how deutscher GreenTech-Unternehmen im Bereich Klimaschutz, Ressourcenschonung und Energieeffizienz ist enorm – und entsprechend hoch das Potenzial, mit der Weiterentwicklung und Verbreitung von Umwelttechnologien und -dienstleistungen „made in Germany“ neue Auslandsmärkte zu erschließen und weltweit Maßstäbe zu setzen. Seit mehr als zehn Jahren unterstützen wir mit der Fördermaßnahme „CLIENT – Internationale Partner- schaften für nachhaltige Innovationen“ die Zusammen- arbeit deutscher Forschungseinrichtungen und Unternehmen mit ausgewählten Schwellenländern. Die Erforschung und Erprobung nachhaltiger Lösungen für die Bereiche Klima, Umwelt, Ressourcen und Energie stehen dabei genauso im Fokus wie die Markt- und Anwendungsnähe. Bereits jetzt fördern wirüber 200 deutsche Institutionen aus Wissenschaft und Wirtschaft, die mit Partnern in 27 Ländern weltweit zusammenarbeiten (Stand September 2020). Dieses Erfolgsmodell wollen wir auch in Zukunft weiterführen.

Zugehörige Maßnahmen

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