Forschen für das ewige Eis

Internationale Konferenz gestaltet die Arktisforschung der Zukunft / Karliczek: „Mit Arktisforschung die Grundlage für politische Entscheidungen legen“
Eisbär auf dem Meereis des Arktischen Ozeans (Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann)
Eisbär auf dem Meereis des Arktischen Ozeans
Foto: Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann

Am 25. und 26. Oktober findet in Berlin die „Zweite Arktiswissenschaftsministerkonferenz“ statt. Unter dem Motto „Forschung in der Arktis – gemeinsam handeln, Herausforderungen meistern“ kommen Wissenschaftsministerinnen und –minister, Forschende sowie weitere Repräsentanten aus insgesamt 26 Nationen und Regionen und von indigenen Völkern der Arktis zusammen. Eine gemeinsame Erklärung zur internationalen Forschung in der Arktis soll unterzeichnet und so die Zukunft der Arktisforschung gestaltet werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ist Gastgeber der Konferenz und hat gemeinsam mit der EU-Kommission und Finnland dazu eingeladen.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek betont: „Schmilzt das ewige Eis der Arktis durch die Klimaerwärmung, wird das weltweit, aber auch für Deutschland weitreichende Folgen haben. Deshalb bringen wir alle an einen Tisch – Ministerinnen und Minister, Forschende, aber auch die Bewohner der Arktis selbst. Die Zukunft der Arktis mit den Möglichkeiten der Forschung und Innovation zu gestalten, ist unser Ziel. Forschung schafft Wissen über den Klimawandel und legt so die Grundlage für politische Entscheidungen.“

In der Arktis steigen sowohl Luft- als auch Wassertemperatur deutlicher als im globalen Durchschnitt an – so stark wie nirgendwo sonst auf der Welt. Diese Erwärmung hat weitreichende Folgen für die Bewohnerinnen und Bewohner der Arktis, aber auch für das Klima weltweit. Das Meereis der Arktis schrumpft immer weiter, der Permafrostboden taut. Gleichzeitig bieten die Veränderungen aber auch Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Noch sind viele Fragen offen: Wie verletzlich und wie widerstandsfähig sind die Natur und die Menschen in der Arktis? Welche Auswirkungen hat der Wandel in der Arktis für die übrige Welt? Wo steht die Forschung für die Zukunft der Arktis? Diese und weitere Themen stehen im Mittelpunkt der „Zweiten Arktiswissenschaftsministerkonferenz“, die unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel stattfindet. Das Treffen in Berlin bietet nach der ersten Arktiswissenschaftsministerkonferenz 2016 in Washington D.C. erneut ein Forum, um die internationale Zusammenarbeit in der Arktisforschung zu verbessern.

Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, sagt anlässlich der Konferenz: „Nur mit einer ehrgeizigen globalen Klimapolitik lässt sich die Zukunft der Arktis sichern. Es gilt noch viel darüber herauszufinden, wie sich der Klimawandel auf die Regionen um den Nordpol auswirkt. Nur wenn wir uns bei unseren Aktivitäten auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen, werden wir in der Lage sein, den Klimawandel zu verlangsamen. Zu diesem Zweck wird die EU in den nächsten zwei Jahren 70 Millionen Euro in Forschung und Innovation für die Arktis investieren.“

„Entscheidungsträger brauchen den direkten Kontakt zur Wissenschaft, um wichtige Informationen zu erhalten und deren Bedeutung verstehen zu können. Eines ist klar: Die Polarregion ist nicht von der globalen Entwicklung ausgenommen, da gibt es starke Abhängigkeiten. Dies geht auch aus dem jüngsten IPCC-Klimabericht hervor. Nachhaltige Entwicklung ist für die Arktis ein extrem wichtiges Thema. Finnland ist der Auffassung, dass es wichtig ist, eine vielseitige und fachübergreifende Zusammenarbeit in der Arktisforschung auf globaler Ebene zu fördern. Dabei müssen wir alle Beteiligten berücksichtigen“, sagt die finnische Bildungsministerin Sanni Grahn-Laasonen.

Die geplante Abschlusserklärung macht deutlich: Deutschland und die Weltgemeinschaft übernehmen Verantwortung. Denn die Veränderungen der Arktis sind rasant. Nicht zuletzt die jüngste Veröffentlichung des IPCC-Sonderberichts zeigt die Notwendigkeit für eine international vernetzte Wissenschaft. International in der Forschung zusammenzuarbeiten ist notwendig, um die Vorgänge in der Arktis besser zu beobachten, zu verstehen und den bevorstehenden Wandel gemeinsam zu gestalten. Dabei gilt es, sowohl den Erhalt der arktischen Umwelt als auch das Wohlergehen der arktischen Bevölkerung sicherzustellen.

Die Zweite Arktiswissenschaftsministerkonferenz wird an zwei Tagen durchgeführt: An dem Wissenschaftsforum am 25. Oktober nehmen über 250 Forscherinnen und Forscher, Organisationen der Wissenschaft und Vertreter der indigenen Bevölkerung der Arktis teil. Die Teilnehmenden stellen dort die Fortschritte in der Arktisforschung seit der Ersten Wissenschaftsministerkonferenz 2016 vor und zeigen neue Entwicklungen auf. Die Ergebnisse der Wissenschaft bereiten so den Boden für das Ministertreffen am zweiten Tag.

Am Folgetag treffen sich die 26 Regierungsvertreter mit Vertretern von sechs indigenen Organisationen der Arktis. Ziel dieses Ministertreffens ist es, die wissenschaftliche Zusammenarbeit unter den Ländern, gemeinsam mit den indigenen Völkern der Arktis, zu stärken. Dabei wollen die Ministerinnen und Minister auch die Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen in der Arktis angehen. Das Treffen mündet in einer gemeinsamen Erklärung zur Zukunft der Arktisforschung.