Making Sense of Research – Forschung mit und für die Praxis

Ein anwendungsorientiertes Buch mit Ergebnissen internationaler Forschung zum nachhaltigen Landmanagement auf der Weltbiodiversitätskonferenz CBD vorgestellt.
Wassergeflutete Felder (UFZ/ J. Settele)
Reisanbau in der philippinischen Provinz Ifugao.
Foto: UFZ/ J. Settele

Zwölf Millionen Hektar fruchtbares, erntefähiges Land gehen weltweit Jahr für Jahr laut UN-Wüstenkonvention verloren. Böden vertrocknen, versalzen oder werden übernutzt. Der Verlust von Bodenfruchtbarkeit ist damit eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen für den Umgang mit natürlichen Ressourcen. Lösungen für eine Landnutzung, die die Umwelt und bestehende Ökosysteme weltweit nachhaltiger nutzt und zugleich Aspekte des Klimawandels berücksichtigt, werden in dem Buch „Making sense of research for sustainable land management" aufgezeigt. Es wird vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und dem Interdisziplinären Zentrum für Nachhaltige Entwicklung und Umwelt (CDE) der Universität Bern herausgegeben.
Der Band wurde auf der Weltbiodiversitätskonferenz (CBD COP 13) in Cancun (Mexiko) Session präsentiert.

Das Buch beschreibt Praktiken des Landmanagements, die Forscher in zwölf global verteilten Projekten des Forschungsprogramms „Nachhaltiges Landmanagement" getestet haben. Das Programm wurde über sieben Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Untersucht und berechnet wurden Wechselwirkungen zwischen Landnutzung, Klimawandel, Verlust der Biodiversität, Bevölkerungswachstum und Globalisierung. Im Fokus standen Regionen, die einem globalen und lokalen Wandel wie etwa Klimaveränderung oder Schwankungen am Weltmarkt besonders stark ausgesetzt sind. Dazu gehören Steppen in Russland, tropische Regenwälder in Brasilien oder Wälder und Flusslandschaften in China und Vietnam. Zu den Auswirkungen zählen der Verlust an Biodiversität, die rasante Abholzung der Wälder und die damit zusammenhängende Erosion von Boden oder Überschwemmungen und Versalzung. Die Praxisbeispiele betreffen etwa Eco-engineering im philippinischen Reisanbau, den Einsatz von Direktsaat auf Großfarmen in Sibirien, integriertes Management von Flusseinzugsgebieten und Stauseen für Wasserkraft und Bewässerung in Brasilien und Vietnam sowie integrierte Land- und Wassermanagementkonzepte im Einzugsgebiet des Okavango in Afrika.

Umsetzungsorientierte und evidenzbasierte Forschung lautet der Anspruch der Herausgeber des Buches. So sollen Erkenntnisse aus der Wissenschaft einfacher den Weg in die Praxis finden. „Ziel ist, übertragbares Wissen zur nachhaltigen Nutzung von natürlichen Ressourcen wie Boden, Vegetation und Wasser unter einem sich veränderndem Klima und politischem Umfeld zu erarbeiten und zu vermitteln", erklärt Dr. Rima Mekdaschi Studer, eine Autorin der Studie und Wissenschaftlerin am CDE. Eine der Fallstudien zeigt beispielsweise, wie Viehhirten in Madagaskar durch Vervielfältigung einer Baumart mithilfe von Stecklingen dauerhaft Viehfutter für ihre Weidetiere bereitstellen können.

Die Methoden und Empfehlungen des Buches basieren auf der Expertise von rund 600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und weiteren Landmanagement-Akteuren vor Ort. „Sie entstanden in vielen Treffen, gemeinsamen Veranstaltungen und Diskussionen", erläutert Co-Autor Dr. Peter Moll vom Beraterteam Moll&Zander. Zu den Zielgruppen und potenziellen Nutzern gehören etwa lokale Initiativen, Landbesitzer und -nutzer und Nicht-Regierungsorganisationen. „Überzeugende Ergebnisse für die Praxis entstehen nur, wenn sich Wissenschaftler als Teil von übergreifenden Teams aus Wissenschaft und Praxis verstehen und alle Beteiligten nach Möglichkeit von Anfang an mit dabei sein können", erklärt Moll. Dies sei für die Forschung eine stete Herausforderung.

Praxisnahes Wissen für Landnutzer zu dokumentieren und zu verbreiten ist eine Aufgabe, die sich das globale Netzwerk WOCAT (World Overview of Conservation Approaches and Technologies) auf die Fahne geschrieben hat. Das Netzwerk ist am CDE an der Universität Bern angesiedelt. „Das Buch illustriert mithilfe von Feldmessungen und Modellierungen die Auswirkungen von konkreten Landnutzungen. Zudem zeigen verschiedene Szenarien die Konsequenzen des Klimawandels und veränderter Landnutzung auf – lokal und regional", sagt Co-Autor Dr. Hanspeter Liniger, am CDE für WOCAT zuständig. Für wissensbasierte Entscheidungen bilde dies die Grundlage.
Insgesamt haben die rund 140 Autoren mehr als 30 umsetzungsorientierte Beispiele für das WOCAT-Buch zusammengetragen. „Die Ergebnisse reflektieren die Vielfalt der Landnutzungen, deren Vor- und Nachteile und den Beitrag umsetzungsorientierter Forschung", sagt Ute Zander vom Beraterteam Moll&Zander.

Zusammengeführt werden die Forschungsergebnisse der zwölf Regionalprojekte des BMBF-Programms in dem Begleitvorhaben GLUES (Global Assessment of Land Use Dynamics, Greenhouse Gas Emissions and Ecosystem Services), das am UFZ koordiniert wird. „Das Buch dient vor allem dazu, dass Erkenntnisse aus dem Forschungsprogramm von Praktikern angewendet werden können", sagt Prof. Dr. Ralf Seppelt, Leiter des Departments Landschaftsökologie am UFZ und GLUES-Projektleiter. Ergänzt werde das Buch durch eine Datenbank und Videos, die ausgewählte Praxisbeispiele zeigten.