Amazonas-Regenwald im Jahr 2023 erstmals Kohlenstoffquelle statt -senke

Der Amazonas-Regenwald gilt als riesiger Kohlenstoffspeicher. Das hat der Klimawandel geändert: Forschende des vom BMFTR geförderten ATTO-Projekts konnten erstmals belegen, dass der Regenwald 2023 mehr Kohlenstoff abgab als aufnahm.

Der Amazonas-Regenwald speichert in seiner Vegetation erhebliche Mengen an Kohlenstoff und gilt als unverzichtbare globale Kohlenstoffsenke. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie aus Jena zeigte nun in einer neuen Studie: Die Vegetation nahm zwar zu Beginn des Jahres 2023 überdurchschnittlich viel Kohlenstoff auf. Während der Trockenzeit brach diese Aufnahme jedoch vor allem von September bis November drastisch ein. In der Jahresbilanz 2023 verwandelte sich der Amazonas entsprechend von einer Kohlenstoffsenke in eine Kohlenstoffquelle.

Diese Ergebnisse basieren auf Langzeitmessungen und Satellitendaten am ATTO-Observatorium (Amazon Tall Tower Observatory, kurz ATTO). Mittelpunkt des Observatoriums ist der rund 325 Meter hohe Messturm, dessen Aufbau und Betrieb das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) seit 2009 fördert. Aktuell unterstützt das Ministerium das ATTOsynthesis-Forschungsprojekt: Es untersucht unter anderem, wie sich klimatische Veränderungen – wie etwa extreme Dürren – auf die Fähigkeit des Regenwaldes auswirken, Kohlenstoff aufzunehmen und zu speichern.

Langzeitmessungen am ATTO-Forschungsturm: zeitweiser Wandel des Amazonas-Regenwaldes vom Kohlenstoffspeicher zur -quelle

Im Jahr 2023 war die Amazonas-Region ungewöhnlich hohen Temperaturen und starker Trockenheit ausgesetzt. Dies hatte weitreichende Folgen für den Kohlenstoffkreislauf von Mai bis November. 2023 lagen die Temperaturen im Amazonasgebiet im Schnitt 1,5 °C über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Zurückzuführen sind diese Veränderungen auf den Klimawandel: Durch überdurchschnittlich warme Meeresoberflächentemperaturen im Atlantik und Pazifik haben die Ozeane mehr Feuchtigkeit als üblich gespeichert. So hat sich der übliche „Feuchtigkeitstransport“ durch atmosphärische Zirkulationssysteme nach Südamerika deutlich reduziert. Dies verursachte in der zweiten Jahreshälfte 2023 eine starke Dürre im Amazonas-Regenwald.

Erfassung des Kohlenstoffkreislaufs durch Kombination von Messverfahren

Um die Veränderungen im Kohlenstoffkreislauf des Regenwaldes erfassen zu können, kombinierten die Forschenden gleich mehrere, sich ergänzende Methoden: CO₂-Messverfahren am lokalen Amazon Tall Tower Observatory (ATTO), Satelliten-Fernerkundungsdaten zur Vegetationsaktivität sowie Computersimulationen mit Vegetationsmodellen. Das Ergebnis war eindeutig: „Wir haben berechnet, dass der Amazonas im Jahr 2023 zu einer Quelle von Kohlenstoffemissionen wurde. Er hat zwischen 10 und 170 Millionen Tonnen Kohlenstoff freigesetzt, statt ihn zu absorbieren“, erklärte Dr. Santiago Botía. Er erläuterte: „Durch die vielfältigen Messungen an ATTO können wir wesentlich besser verstehen, wie Regenwälder und angrenzende Regionen auf Klimaextreme reagieren. Sie vermitteln uns eine Vorstellung davon, wie der Regenwald auf die anhaltende Erwärmung in der Zukunft reagieren könnte“.

Die Messungen und Auswertungen des Forschungsteams in den fünf Jahren nach 2023 werden daher mit Spannung erwartet.

 Weiterführende Links

  • Diese neue Studie von ATTO wurde auf “AGU Advances” veröffentlicht: “Reduced Vegetation Uptake During the Extreme 2023 Drought Turns the Amazon Into a Weak Carbon Source”, https://doi.org/10.1029/2025AV001658.