Der Weltklimarat IPCC und die Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle

Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC) ist eine Einrichtung der Vereinten Nationen. Seit seiner Gründung 1988 stellt er die Grundlagen für wissenschaftsbasierte Entscheidungen der Klimapolitik bereit, ohne jedoch konkrete Lösungswege vorzuschlagen oder politische Handlungsempfehlungen zu geben. Die Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle fungiert als nationale Anlaufstelle für Wissenschaft, Regierung, Behörden, Öffentlichkeit und Medien bei Fragen zum Weltklimarat und berät die Bundesregierung in IPCC-Angelegenheiten.

Als ein hochkarätiges Instrument zur wissenschaftlichen Politikberatung belegt der Weltklimarat IPCC die Relevanz der Forschung zum Klimawandel für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft: Die Wissenschaft hat großen Anteil daran, dass der globale Klimawandel als Problem erkannt und seine Ursachen verstanden sind, und sie zeigt innovative Lösungswege auf.

Der IPCC ist gleichzeitig wissenschaftliches Gremium und zwischenstaatlicher Ausschuss. In seinem Auftrag bündeln und bewerten tausende von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit die Ergebnisse der Forschung zum Klimawandel.

Das Hauptprodukt des IPCC sind seine Sachstandsberichte. Zurzeit wird der Sechste IPCC-Sachstandsbericht (AR6) erstellt. Band I „Naturwissenschaftliche Grundlagen" wurde im August 2021 verabschiedet, Band II „Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit" im Februar 2022, und Band III „Minderung des Klimawandels" Anfang April 2022.

Band I stellt ohne Zweifel fest: Der Klimawandel ist weltweit in allen Regionen nachweisbar und wurde durch menschliche Aktivitäten verursacht. Auch zeigt er, dass der Klimawandel in den vergangenen Jahrzehnten schneller vorangeschritten ist als zuvor.

Band II macht deutlich, dass der menschengemachte Klimawandel seit Jahrzehnten erhebliche negative Folgen für Natur und Menschen in allen Regionen hat und dass ein weiter fortschreitender Klimawandel viele Risiken weiter erhöhen würde und zu Folgen führen kann, wie sie noch nie beobachtet wurden. Der IPCC zeigt Möglichkeiten auf, wie die Menschheit den Klimawandel und seine Risiken mindern bzw. sich an unvermeidbare Folgen und Schäden anpassen kann.

Band III zeigt: Trotz der Fortschritte seit Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens sind die Treibhausgasemissionen weiter angestiegen. Mit den bis Anfang Oktober 2021 bei der Klimarahmenkonvention UNFCCC eingereichten nationalen Klimaschutzplänen würde die Erwärmung nicht auf 1,5 °C über vorindustriellen Werten begrenzt. Selbst, um unter 2 °C globaler Erwärmung zu bleiben, wäre eine abrupte, sehr große Steigerung dieser Anstrengungen vom Jahr 2030 an erforderlich. Der Bericht zeigt auch, welche Minderungsmöglichkeiten in allen Sektoren bestehen, und trifft Aussagen zu Potenzial und Kosten dieser Optionen.

Zusätzlich zum AR6 hat der IPCC seit dem letzten Sachstandsbericht bisher drei Sonderberichte erstellt und die IPCC-Methoden von 2006 zur Treibhausgas-Berichterstattung ergänzt:

  • „1,5 °C globale Erwärmung – Der IPCC-Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 °C gegenüber vorindustriellem Niveau und die damit verbundenen globalen Treibhausgasemissionspfade im Zusammenhang mit einer Stärkung der weltweiten Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung und Bemühungen zur Beseitigung von Armut" (SR1.5, verabschiedet am 6. Oktober 2018)
  • „Klimawandel und Landsysteme: Ein IPCC-Sonderbericht über Klimawandel, Desertifikation, Landdegradierung, nachhaltiges Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen" (SRCCL, verabschiedet am 7. August 2019)
  • IPCC-Sonderbericht über den Ozean und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima" (SROCC, verabschiedet am 25. September 2019)
  • • 2019-Ergänzungen der IPCC-Richtlinien zur nationalen Treibhausgas-Berichterstattung von 2006 (2019-Ergänzungen, verabschiedet am 12. Mai 2019)

Ein Synthesebericht, dessen Verabschiedung für September 2022 geplant ist, fasst die wesentlichen Aussagen aus all diesen Berichten zusammen.

Aus Deutschland sind insgesamt 55 Expertinnen und Experten Mitglieder in den Kernteams für die genannten Berichte. Darüber hinaus engagieren sich zahlreiche weitere Fachleute in der Begutachtung und wissenschaftlichen Qualitätskontrolle. Das BMBF begrüßt das Engagement von Forscherinnen und Forschern aus Deutschland und der ganzen Welt, die für diese Tätigkeit nicht zusätzlich bezahlt werden.

Der IPCC-Prozess liefert eine zuverlässige wissenschaftliche Basis für die nationale und internationale Klimapolitik. Das BMBF unterstützt diesen einzigartigen Risikomonitor für eine wissensbasierte Vorsorgepolitik in Sachen Klimawandel auf vielfältige Weise:

  • Rund 600 Millionen Euro wurden in den letzten zehn Jahren in Klimaforschungsprogramme investiert: in die direkte Unterstützung des IPCC-Prozesses beispielsweise für Modellrechnungen und Infrastruktur sowie in Forschungsprojekte, deren Ergebnisse in die Berichte des aktuellen Berichtszyklus eingehen bzw. eingegangen sind. Diese Kontinuität und der Umfang der Klimaforschungsförderung durch das BMBF hat die Wissenschaft in Deutschland in die Lage versetzt, in hohem Maße zu den IPCC-Sachstands- und Sonderberichten beizutragen.
  • Das BMBF setzt sich darüber hinaus für Qualitätssicherung ein, indem es den deutschen Koordinierenden Leitautor:innen der IPCC-Berichte wissenschaftliche Assistenzen zur Seite stellt, und die Geschäftsstelle der IPCC-Arbeitsgruppe II zu Folgen des Klimawandels, Anpassung und Verwundbarkeit (Sitz am Alfred-Wegener-Institut, AWI, Ko-Vorsitzender: Prof. Hans-Otto Pörtner) finanziell unterstützt. Bereits für den Fünften Sachstandsbericht (AR5) finanzierte das BMBF von 2010 bis 2015 die Geschäftsstelle der IPCC-Arbeitsgruppe III zur Minderung des Klimawandels (Sitz am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, PIK, damaliger Ko-Vorsitzender: Prof. Ottmar Edenhofer).
  • Gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt (AA) organisiert das BMBF regelmäßig Dialoge über den IPCC-Prozess und die Befunde der IPCC-Berichte als Plattform für den politischen und gesellschaftlichen Austausch zu Handlungskonzepten und Forschungslücken.

Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle – Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Regierung im Bereich Klimawandel

Das BMBF hat gemeinsam mit dem BMUB (heute BMUV) 1998 die Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle am DLR Projektträger eingerichtet. Bei der Neuorganisation der Bundesregierung ging die Federführung für den IPCC vom BMUV an das Auswärtige Amt (AA) über. Die Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle fungiert als nationale Anlaufstelle für Wissenschaft, Regierung, Behörden, Öffentlichkeit und Medien bei Fragen zum Weltklimarat und fördert die Integration der Ergebnisse deutscher Forschergruppen in die internationale Bestandsaufnahme zur Klimaänderung. Als Dienstleister berät die Koordinierungsstelle die Bundesregierung in IPCC-Angelegenheiten und hilft dabei, den IPCC als Institution zu stärken, seine Verfahren zu verbessern und die Qualität seiner Berichte zu sichern. Nähere Informationen finden Sie auf der De-IPCC Webseite.

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