Energieforschung mit Afrika

Im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie will das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Afrika zu einem Global Player der weltweiten Energieversorgung machen: So könnten wind- und sonnenreiche Staaten schon bald Grünen Wasserstoff in die ganze Welt exportieren – und dadurch zum Erreichen der Pariser Klimaschutzziele beitragen. Gleichzeitig will das BMBF eine sichere und bezahlbare Energieversorgung vor Ort sicherstellen. Denn während Afrikas Energiebedarf steigt, haben große Teile der Bevölkerung noch immer keinen Zugang zu Elektrizität.

Weil Deutschland seinen Energiebedarf auch langfristig nicht allein wird decken können, setzt die Bundesregierung auf strategische Partnerschaften mit Afrika. Die Idee: Wind- und sonnenreiche Staaten in Süd- und Westafrika erzeugen vor Ort Grünen Wasserstoff und exportieren diesen anschließend in die ganze Welt – auch nach Deutschland. In Deutschland angekommen, beheizt er Wohnsiedlungen und Brennöfen der Industrie, dient dank Power-to-X-Technologien als Rohstoff in der Chemie- sowie als Reduktionsmittel in der Stahlindustrie und treibt Brennstoffzellen-betriebene Züge, Busse und LKWs an.

Um diese strategische Partnerschaft vorzubereiten, fördert das BMBF derzeit einen Potenzialatlas Wasserstoff. Er stützt sich auf die von der Bundesregierung einberufenen Wissenschaftszentren WASCAL und SASSCAL (siehe Info), die die Klima- und Energieforschung von über 15 afrikanische Staaten bündeln und stärken.

Der gemeinsame Potenzialatlas Wasserstoff wird analysieren, welche Standorte für den Aufbau einer Infrastruktur zur Erzeugung Grünen Wasserstoffs sinnvoll sind. Anschließend sollen Pilotprojekte aufzeigen, wie die Produktion von Grünem Wasserstoff, sein Export und sein Vertrieb wirtschaftlich effizient realisierbar sind. Dabei werden die Pilotkonzepte stets so konzipiert sein, dass sie einerseits die Situation vor Ort verbessern und andererseits Möglichkeiten einer wirtschaftlich sinnvollen Wasserstoff-Lieferkette aufzeigen.

Sustainable Development Goals - SDG

Die afrikanischen Energieprojekte des Bundesforschungsministeriums adressieren das siebte Sustainable Development Goal (SDG) der Vereinten Nationen:

„Alle Menschen haben Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, sauberer und nachhaltiger Energie."

Die SDGs sind globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, beschlossen von den Vereinten Nationen. Sie sind eine Art Fahrplan für die Zukunft aller Menschen weltweit.

Die Sicherstellung einer verlässlichen und bezahlbaren Stromversorgung vor Ort ist neben dem Wasserstoff-Export das zweite, zentrale Ziel des BMBF: Denn mehr als der Hälfte der Bevölkerung südlich der Sahara – rund 600 Millionen Menschen – fehlt derzeit eine moderne Stromversorgung.

In einigen ländlichen Gebieten ist die Versorgung mit Elektrizität noch geringer: Dort haben sogar 77 Prozent keinen Zugang zu Elektrizität. Das ist einer von mehreren Faktoren, die den wirtschaftlichen Aufschwung des Kontinents erschweren. In der Not behelfen sich viele Unternehmen mit umweltschädlichen und kostspieligen Generatoren. Auch in Privathaushalten nutzt die afrikanische Bevölkerung mangels Alternativen noch Energie aus der klimaschädlichen und gesundheitsgefährdenden Verbrennung von Kohle und Biomasse.

Hier bietet die Erzeugung und Nutzung Erneuerbarer Energie Möglichkeiten, die Stromversorgung Afrikas nachhaltig zu sichern.

Aus diesem Grund fördert das Bundesforschungsministerium eine Vielzahl von Projekten, die einerseits die lokale Stromversorgung gewährleisten oder stabilisieren sollen und andererseits Lösungen für weitere Probleme vor Ort bieten. Der Fokus der Projekte des BMBF liegt dabei vor allem auf den Regionen des westlichen und südlichen Afrika. Im Projekt WASTE2ENERGY beispielsweise werden Biogas-Anlagen entwickelt, die Strom aus Abfall erzeugen. Das löst Müllproblematiken vor Ort, senkt den CO2-Fußabdruck und hilft dem lokalen Stromnetz.

Oder das Projekt YESPV-NIGBEN: Es widmet sich neben der Frage nach der Erzeugung erneuerbarer Energie auch der Frage, wie erneuerbare Energie eingesetzt werden kann, um die Ernte durch Trocknung haltbar zu machen. Das beugt Lebensmittelverschwendung und CO2-Ausstoß durch Fäulnisprozessen vor.

Gemeinsam ist den Energieprojekten des Forschungsministeriums, dass jedes von ihnen afrikanische Partner miteinbezieht. Zudem steht die Ausbildung afrikanischen Energie-Fachpersonals im Fokus. Dahinter steckt die Idee, dass nachhaltige Energielösungen für Afrika sowohl die Lebensqualität als auch die Wirtschaft vor Ort stärken können. Langfristig könnte dadurch der Fluchtdruck in einigen afrikanischen Staaten gemindert und der afrikanischen Bevölkerung könnten neue Perspektiven geboten werden.

SASSCAL (Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management) ist eine gemeinsame Initiative von Angola, Botswana, Namibia, Südafrika, Sambia und Deutschland. Zusammen erarbeitet sie Lösungen für Herausforderungen, verursacht durch globale Wandlungsprozesse wie Klimawandel, demografischer Wandel und Wirtschaftswandel. Dabei ist SASSCAL konzeptionell und operationell so angelegt, dass es die bestehende Forschungsinfrastrukturen und -Initiativen in der Region ergänzt.

Das West African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use (WASCAL) ist ein groß angelegtes, forschungsorientiertes Servicezentrum: Es soll die Widerstandsfähigkeit gesellschaftlicher Anpassung an den Klimawandel verbessern, die örtliche Forschungsinfrastruktur und -kapazität in Westafrika stärken und die Expertise von zehn westafrikanischen Staaten mit deutscher Unterstützung bündeln. WASCAL wird vom Bundesforschungsministerium gefördert und von westafrikanischen sowie deutschen Partnern gemeinschaftlich betreiben. WASCAL arbeitet mit zahlreichen Behörden und Universitäten in Deutschland und in der Region zusammen, um seinen Partnern eine exzellente Wissensplattform zu bieten.

Zurzeit fördert das BMBF in Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern im Energiebereich folgende Projekte:

Forschungsprojekte

Anzahl der Einträge: 13

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