Bewältigung des Klimawandels in Westafrika: Forschende aus Klima-Kompetenzzentrum WASCAL diskutierten Zukunftsthemen

Aktuelle Forschung und Zukunftsthemen für WASCAL: Darüber diskutierten rund 300 Forschende in Ouagadougou, Burkina Faso. Neue Lösungen sind etwa BigData und Künstliche Intelligenz (KI), um Unwetterwarnungen und klimaangepasste Landwirtschaft zu realisieren.

Das Leitmotiv für die Teilnehmenden am WASCAL-Wissenschafts-Symposium lautete: „Forschung, Innovation und Aufbau von Kapazitäten zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen sowie zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Westafrika". Ziel dieser Konferenz mit insgesamt 300 Teilnehmenden online und in Präsenz in Ouagadougou war es, aktuelle Forschungsergebnisse zu präsentieren und mögliche Zukunftsthemen für das nächste WASCAL-Programm zu identifizieren. Das BMBF fördert die WASCAL-Zentren in Westafrika seit 2012.

WASCAL: Erfolgreich mit umfassendem Klimaforschungsansatz

Zu den aktuellen Herausforderungen in den Staaten Westafrikas gehört eine überdurchschnittliche Erwärmung durch den Klimawandel. Hier zeichnet sich bereits in einigen Regionen eine Erderwärmung von 0,8 bis 1,2 Grad Celsius ab. Diese Erwärmung liege deutlich über dem globalen Schnitt, erklärte Professor Kehinde Ogunjobi, Forschungsdirektor des WASCAL-Klima-Kompetenzzentrums in Ouagadougou. Die Folgen sind vor allem zunehmende Extremwetter-Perioden, wie Hitze, Dürre, Starkregen und Stürme. So kommt es häufiger zu Ernteausfällen und mangelnder Ernährungssicherheit. Zudem kommen weitere Belastungen für Mensch und Umwelt hinzu, wie etwa die Luftverschmutzung durch das Ausschlachten und Verbrennen von Elektroschrott.

Aktuelle Ansätze der WASCAL-Forschung liefern die Basis für Klimadienstleistungen

Zu den aktuellen Aufgaben des WASCAL-Klima-Kompetenzzentrums in Westafrika erklärte der geschäftsführende Direktor, Dr. Moumini Savadogo:

„Die WASCAL-Klima-Kompetenzzentren haben für Westafrika wichtiges Klimawissen aufgebaut und bisher rund 750 Nachwuchsforschende ausgebildet. Messungen und Simulationen regionaler Klimadaten helfen uns, den Einfluss des Klimawandels durch Dürre und Überschwemmungen zu erfassen und zu bewerten. Durch Forschung und Innovation wollen wir die Lebensgrundlagen vor Ort verbessern. Beispielsweise berechnen unsere Forschenden Überflutungsrisiken sowie effektive Bewässerungsmethoden."

Ein Beispiel dafür: Der interdisziplinäre Projektverbund FURIFLOOD untersucht klimatische Einflussfaktoren von extremem Hochwasser in den tropischen Regionen Westafrikas. Das Projekt entwickelt in einem Beteiligungsprozess mit örtlichen Verantwortlichen neue Umweltstrategien, um die Risiken durch unerwartetes Hochwasser zu verringern. Dafür werden Überflutungskarten und Kataloge für Extremwetterereignisse erstellt und in einem Datenportal für Anwender und Entscheidungsträger als Klimadienstleistung verstetigt.

Diskutiert wurden in Ouagadougou des Weiteren Schwerpunktthemen, wie nachhaltige Landnutzung und Bodenbedeckung für eine bessere Kohlenstoffbindung, Daten-Monitoring für den Klimaschutz, das Management von Wasserressourcen, der Ausbau erneuerbarer Energien, von Bioökonomie sowie Informationstechnologien für Klimadienstleistungen, wie etwa Künstliche Intelligenz.

Zukunftsthemen für WASCAL: Künstliche Intelligenz und indigenes Wissen

Die Teilnehmenden wiesen auch auf die große Bedeutung erneuerbarer Energien für die Armutsbekämpfung und nachhaltige Entwicklung in Westafrika hin, auf die komplexen Zusammenhänge zwischen Klima- und Umweltfaktoren sowie auf die Bedeutung der Gleichstellung für weniger Migration und mehr Ernährungssicherheit.

Des Weiteren wurde hervorgehoben, dass Digitalisierung, Big Data und künstliche Intelligenz in Westafrika für eine klimaangepasste Landwirtschaft und den Klimaschutz entscheidend seien. Eine weitergehende Digitalisierung, wie etwa durch Künstliche Intelligenz (KI), sei eine gute Basis für die Warnung vor Extremwetter, beispielsweise durch Katastrophenwarnsysteme, für die Erhebung und Auswertung von Daten zum Klimawandel, für eine intelligente, nachhaltige Landwirtschaft sowie für die Pflege von Ökosystemen.

Klimaanpassungsmaßnahmen seien besonders effektiv, wenn dafür ein geeigneter Rahmen geschaffen werde, berichtete Dr. Seyni Salack (WASCAL) aus der Forschung. Dazu gehörten zum Beispiel Ko-Produktions-Ansätze, etwa für die Nutzung von Brunnen, maßgeschneiderte Klima-Informationen sowie Kommunikationsstrategien, die an die lokalen Nutzerinnen und Nutzer angepasst sind.

Natürliche Ressourcen wie Wasser sollten vor allem integriert, das heißt, gemeinschaftlich bewirtschaftet werden, wobei der Schwerpunkt auf dem Nexus-Ansatz und der Schaffung eines Rechtsrahmens für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteurs- und Interessengruppen liegen sollte. Da viele wirksame Klima-Anpassungsoptionen auf lokalem Wissen beruhten, eigneten sich insbesondere die Gleichstellung, Schutzversicherungssysteme und naturbasierte Lösungen aus indigenem Wissen für die Klimaanpassung – unterstützt durch den neuesten Stand der Anpassungsforschung und Innovation.

Hintergründe

Das Klima-Kompetenzzentrum WASCAL in Accra (Ghana) sowie in Ouagadougou (Burkina Faso) ist seit 2012 eine gemeinsame Fördermaßnahme des BMBF mit Kooperationspartnern aus elf Ländern Westafrikas: Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Gambia, Ghana, Kapverden, Mali, Niger, Nigeria, Senegal und Togo. Ziel ist es, den Klimaschutz und die Klimaanpassung in Westafrika sowie international zu verbessern. Hierfür leistet WASCAL wichtige Beiträge zur Klimaforschung und nachhaltigem Landmanagement, dem Aufbau von Kooperationen sowie für die Aus- und Weiterbildung von Studierenden vor Ort.
In den Graduiertenprogrammen hat WASCAL in den Jahren 2012 bis 2022 bereits über 450 Doktorandinnen und Doktoranden sowie 200 Masterabsolventinnen und -absolventen ausgebildet. Die Absolventinnen und Absolventen haben ihre Betätigungsfelder bisher zur Hälfte in Wissenschaft und Forschung gefunden und ihr Wissen zu fast einem Viertel in internationalen sowie nationalen Entwicklungsagenturen in Westafrika sowie zu etwa 15 Prozent in Klimaschutz-Institutionen eingesetzt. Dabei pflegt WASCAL ein weites, globales Netzwerk für Kontakte, Austausch und Publikationen. Trotz Corona konnten zum Beispiel im Jahr 2021 rund 60 WASCAL-Studierende aus Westafrika in Deutschland einen Studien-Aufenthalt verbringen. Daran waren 33 deutsche Hochschulen und Institute beteiligt.
Seit 2012 bis heute hat das BMBF rund 70 Millionen Euro in den Aufbau und die Weiterentwicklung des WASCAL-Klima-Kompetenzzentrums sowie in die technische Infrastruktur investiert. Das WASCAL-Graduiertenprogramm ist dabei mit rund 50 Millionen Euro unterstützt worden.